Montag, 15. Juni 2020
Vorentscheidungen
Wie die EBU und die niederländischen Veranstalter bekannt gaben, soll der ESC 2021 eine Woche später als ursprünglich angenommen, nämlich am 22.5.21 (Halbfnalrunden am 18.5. und am 20.5.) stattfinden – wenn es das Covid 19-Geschehen und sonstige unvorhergesehene Unannehmlichkeiten zulassen. Viele Länder haben, wie bereits erwähnt, die für dieses Jahr vorgesehenen Interpreten auch für die kommende Ausgabe des Wettbewerbs nominiert, sodass es in der anstehenden Saison relativ wenige klassische Vorentscheide geben wird.

Ich habe diese nationalen Auswahlen insbesondere in den Jahren, in denen das Internet mit seinen Übertragungsmöglichkeiten neu für mich war, sehr intensiv verfolgt, habe aber davon immer mehr abgelassen, nachdem die Halbfinalrunden eingeführt wurden und so die Zahl der Teilnehmer immer größer wurde, zumal in nicht wenigen Ländern auch noch Vorrunden abgehalten werden – konkret begann meine "heiße Phase" knapp vor der Jahrtausendwende und ebbte ab 2007 immer mehr ab.

Selten erhalten Lieder, die in den nationalen Vorentscheidungen scheitern, trotzdem internationale Beachtung. Selbst beim in einem früheren Beitrag erwähnten „Ring Ring“ von ABBA (damals noch Björn & Benny, Agnetha & Frida) sind Abstriche zu machen, weil das Lied außerhalb Schwedens erst eine gewisse Popularität bekam, nachdem die Gruppe auch dort bekannt war.

1983 gab es eine kuriose Vorentscheidung in den Niederlanden: Drei Interpreten sangen jeweils drei verschiedene Lieder, am Ende entschied eine Jury, welche der möglichen Kombinationen das Land international vertreten sollte. Sie entschieden sich gegen „Fantasie Eiland“, das kurz darauf in der englischen Version „Fantasy Island“ ein Hit für die britische Gruppe Tight Fit wurde.





Ebenfalls kurios ist die Geschichte des nächsten Liedes: 2003 nahm die Gruppe Vanilla Ninja mit „Club Kung Fu“ an der estnischen ESC-Vorentscheidung teil und belegte den letzten Platz. Ein Jahr später starteten sie ihre internationale Karriere, in deren Rahmen das Lied auch außerhalb Estlands als Single veröffentlicht wurde und immerhin zwei Wochen in den deutschen Verkaufslisten vertreten war.



In Deutschland wurden insbesondere in den 1960ern und 1970ern Lieder aus den Vorentscheidungen kommerzielle Erfolge, auch wenn sie nicht gewinnen konnten – Heidi Brühl erreichte 1960 mit „Wir wollen niemals auseinandergehn“ sogar Platz 1 der Verkaufsliste, 1969 war Peggy March mit „Hey (das ist Musik für mich)“ erfolgreich, 1972 hatten Inga & Wolf mit „Gute Nacht, Freunde“ ihren einzigen Hit; im selben Jahr ersangen sich Cindy & Bert mit „Geh die Straße“ ihren Durchbruch. Drei Jahre später kam Jürgen Marcus mit „Ein Lieht zieht hinaus in die Welt“ bis Platz 3 der Verkaufslisten und landete somit vier Ränge vor Marianne Rosenberg und ihrem „Er gehört zu mir“ - trotzdem ist es dieses Lied, das am meisten, auch wegen einiger Wiederveröffentlichungen, in der kollektiven Erinnerung blieb. Noch heute können viele Menschen den Text mitsingen.



Ich möchte noch einige Vorentscheidungslieder vorstellen, die zwar außerhalb ihres Landes keine großen Hits wurden, die mir aber gut gefielen – es sind auch relativ neue Titel dabei, auf die ich von Bekannten dankenswerterweise hingewiesen wurde – wie gesagt, ich verfolge diese Wettbewerbe nur noch am Rande.

Ich möchte mit zwei Liedern aus dem Jahr 2000 beginnen. In Spanien sang Raúl das, was ich für den Prototyp eines Latino-Popsongs halte: Er belegte mit „Sueño su boca“ den zweiten Platz.



Ein paar hundert Kilometer nordöstlich, in Dänemark, kam Sanne Gottlieb mit „Uden dig“ auf Platz 3.



Die schwedische Vorentscheidung „Melodifestivalen“ ist national so etwas wie eine Institution, viele der Teilnehmertitel erreichen die Spitzenplätze der Verkaufslisten. Ich habe mir ein Lied aus dem Jahr 2005 ausgesucht; die Gruppe Alcazar hatte einige Zeit vorher auch international mit „Crying at the discotheque“ einen Hit, bei der Vorentscheidung versuchten sie es mit „Alcastar“.



Auch nach fast 40 Jahren bekomme ich immer noch gute Laune, wenn ich das Lied „Een beetje van dit“ höre. Vulcano belegten bei der niederländischen Vorentscheidung 1983 den zweiten Platz.



Bleiben wir in den Niederlanden: 1998 kamen Nubia mit „Ze kwamen overzee“ auf Platz 4.



Kommen wir zu den aktuelleren Liedern: 2019 nahm „J‘ai pas le temps“, gesungen vom Duo Lautner, an der französischen ESC-Vorentscheidung teil, erreichte aber nicht die dortige Finalrunde – vielleicht wegen einiger stimmlicher Unzulänglichkeiten.



Ich habe mit ein paar Kuriositäten begonnen, und so möchte ich auch enden. Ebenfalls 2019 nahm ein komplett auf deutsch gesungenes Lied an der estnischen Vorentscheidung teil. „Wo sind die Katzen?“, gesungen von Kaia Tamm, erreichte aber ebenfalls nicht das nationale Finale.



Das soll es für heute gewesen sein – mal sehen, vielleicht schiebe ich irgendwann einen weiteren Teil hinterher.

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