Montag, 24. September 2018
Black Blood - A.I.E. (A Mwana)
Das Lied, das ich heute vorstellen möchte, erschien erstmals 1970 unter dem Namen „A.I.E.A.O.A“ und wurde vom belgischen Projekt Yamasuki‘s veröffentlicht. Erneut erschien es 1975, als die ebenfalls belgische Formation Black Blood eine Version namens „A.I.E. ( A Mwana)“ herausbrachte. Die kommerziell erfolgreichste Fassung stammt aus dem Jahr 2010, als das dänische Safri Duo zusammen mit der Sängerin Velile anlässlich der Fußball-WM in Südafrika das Lied „Helele“ produzierte.

Ich habe mich für „A.I.E. (A Mwana)“ entschieden, weil es einen entscheidenden Punkt in meinem Musikgeschmack darstellt. Ich war damals noch ein Kind und habe gern und häufig Radio gehört. Die meisten Lieder dort wurden auf Deutsch oder auf Englisch gesungen, auch Französisch, Spanisch und Italienisch kamen vor. Jetzt aber hörte ich Worte auf Suaheli, also in einer Sprache, die ich bis dahin gar nicht kannte. Die Bedeutung der Worte waren mir damals nicht klar, ich kenne sie bis heute nicht genau, ich glaube, es handelt sich um Aufmunterungen nach dem Motto „Los jetzt!“. Die Melodie gefiel mir aber sehr, und die Tatsache, dass die Textpassagen wiederholt wurden, machte das ganze Werk für mich noch eingängiger. Ich denke, dieses Lied hat mit dazu beigetragen, dass ich mich bis heute für alle Kulturen interessiere und alle fremden Einflüsse gern aufsauge. Ich glaube, seitdem blicke ich auch über den europäischen Tellerrand hinaus, was die Musik angeht.

Ich weiß nicht viel über die Interpreten; ich denke, „Black Blood“ wurde nur für dieses Lied zusammengestellt und ging danach wieder auseinander. „A.I.E. (A Mwana)“ wurde das, was ein paar Jahre später ein „Discohit“ genannt wurde, es war insbesondere auf den Tanzflächen ein beachtlicher Erfolg.

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Sonntag, 23. September 2018
Seyran - Qanadsız mǝlǝklǝr
Seyran ist ein aserbaidschanischer Musiker, der seit vielen Jahren in Deutschland lebt. Er produziert Lieder in Aserbaidschanisch, Deutsch, Englisch, Türkisch und Russisch; das interessante hierbei ist, dass er das jeweilige Repertoire den Sprachen anpasst. So singt er deutsche Schlager genauso wie englischen Pop, und auch bei seinen anderssprachigen Liedern passt er sich der jeweiligen Kultur an.

2011 gewann er das Golden Melody Song Festival, das auf Zypern ausgetragen wurde und bei dem er Aserbaidschan vertrat. Sein Lied "Qanadsız mǝlǝklǝr" (Engel ohne Flügel) wurde der besseren Verständlichkeit wegen auch in anderen Schreibweisen veröffentlicht, außerdem nahm Seyran auch eine türkische Version auf.



Wenn man diese musikalische Seite Seyrans kennt, ist man überrascht, ihn auch als Schlagersänger zu hören.



Neben seiner Solokarriere - oder besser neben seinen Solokarrieren? - tritt Seyran mit dem von ihm gegründeten Projekt "Spirit of Caucasus" auf, das die Musik und Kultur seiner Heimat zeigt.



Ich habe mich mit Seyran mehrmals unterhalten, und so weiß ich, dass er nicht nur sehr vielseitig, sondern auch sehr sympathisch ist. Ich bin mir sicher, dass er irgendwann irgendwo irgendwie den großen Durchbruch schafft. Ich werde ihn auf jeden Fall weiter auf seiner musikalischen Weltreise begleiten.

https://suite-music-entertainment-und-musikproduktion.webnode.com/

http://spirit-of-caucasus.com/

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Samstag, 22. September 2018
Luis Fonsi ft. Daddy Yankee - Despacito
Heute werde ich richtig kommerziell, ich komme aber nicht umhin, dieses Werk bei meinen Lieblingsliedern aufzunehmen, und ich möchte auch gern erklären, warum.

Ich habe "Despacito" erstmals Anfang 2017 im Radioprogramm von Cosmo, einem WDR-Sender, der sich auf Musik aus aller Welt spezialisiert hat, gehört. Ich mochte es sofort, hielt es aber für ein eher lateinamerikanisches Phänomen. Ich war sehr überrascht, als ich es erstmals bei NDR 2 hörte, und gleichzeitig enttäuscht, weil dort die Version zusammen mit Justin Bieber gespielt wurde. Nichts gegen ihn, aber ich empfand seine englischen Passagen in diesem Lied eher als störend, und ich fühlte mich unangenehm an ein gut 20 Jahre altes Lied erinnert: Ich mochte "Macarena" in der ursprünglichen Fassung sehr gern, fand aber, dass es durch die von Frauen gesungenen englischen Strophen stark verlor. Ich freute mich also sehr, dass das Lied immer häufiger gespielt wurde, und zwar immer öfter im Original.

Als ich mir erstmals das Video auf Youtube ansah, blickte ich ungläubig auf die Zugriffszahlen, und sie wurden immer größer - mittlerweile haben sie 5,5 Milliarden überschritten.

Der Grund, warum ich dieses Lied so mag, ist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Ich denke, dass Luis Fonsi und Daddy Yankee stimmlich gut harmonieren, insbesondere die Choreinlagen finde ich ebenfalls sehr gelungen - ich freue mich bei jedem "Oh-Oh". Ich finde den Rhythmus unglaublich lässig, mit diesen Klängen im Ohr bekommt man auch an der Ostsee karibische Gefühle. Und vermutlich ist es ein Klischee, aber diese gut vier Minuten verkörpern für mich genau das, was ich über Puerto Rico denke. Wenn am Ende des Filmes nur Gesang und Percussion erklingen, möchte ich zu gern dabei sein.

"Despacito" war weltweit ein Riesenerfolg, und vor allem im letzten Sommer konnte man dem Lied kaum entkommen. Ich kann verstehen, dass immer mehr Menschen mit der Zeit genervt reagierten, wenn wieder das charakteristische "Ay..." am Anfang erklang. Ich gehöre allerdings nicht zu diesen Leuten, ich höre das Lied unvermindert gern und immer noch sehr oft. Und ich ertappe mich oft, dass ich anfange vor mich hin zu singen: "Pasito a pasito, suave, suavecito, nos vamos pegando poquito a poquito..."

Ich vermeide meist Superlative, aber "Despacito" gehört für mich zu den besten Musikstücken, die je geschrieben wurden.

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Freitag, 21. September 2018
Diamá - La Mossa
Ich habe einige Zeit im Musikgeschäft gearbeitet. Eine der Künstlerinnen, die ich betreuen durfte, war die Schweizerin Claudia D'Addio. Ihre Bühnenpräsenz und ihre Stimme gefielen mir, und so habe ich ihre Karriere weiter verfolgt.

Kurz nach unserer Zusammenarbeit starb Claudias bester Freund Maurizio, den ich auch kennen lernen durfte, bei einem Unfall. In Gedenken an ihn setzte sie einige Buchstaben der Vornamen zu Diamá zusammen und wählte dies fortan als Künstlernamen.

Viele ihrer Lieder singt Claudia auf Englisch, so auch "La Mossa", auch wenn der Titel des Liedes auf Italienisch gehalten ist und das ganze Lied südländisches Temperament versprüht. Mir gefällt es sehr gut, es zeigt Claudia genau so, wie ich sie kenne.

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Donnerstag, 20. September 2018
Asaf Avidan & the Mojos - One Day (Reckoning Song)
Asaf Avidan ist ein israelischer Künstler. Mit "One Day" hatte er im Wankelmut Remix einen beachtlichen Hit, danach wurde es wieder ruhiger um ihn. Leider existiert kein reguläres Musikvideo - zumindest habe ich keines gefunden. Die Art, wie Asaf mit seiner Stimme spielt, würde ich als "durchgeknallt" bezeichnen - und das im positiven Sinn. Eines meiner Gute-Laune-Lieder - ohne besonderen Hintergrund.

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Dienstag, 18. September 2018
Boef - Habiba
Boef („Gauner“) wurde 1993 als Sohn algerischer Eltern in der Nähe von Paris geboren und ist französischer Staatsbürger. Als er vier Jahre alt war, zog er in die Niederlande.

„Habiba“ ist sein bisher größter Erfolg, das Lied erreichte in den Niederlanden und in Belgien Spitzenplätze in den Verkaufslisten. Leider spreche ich die Sprache nicht sonderlich gut, ich verstehe daher nur ungefähr, worum es geht. Ich weiß nicht, ob mit Habiba das arabische Wort für „Liebling“ oder „Schatz“ gemeint ist, oder ob es sich um eine Frau dieses Namens handelt. Auf jeden Fall kennen sich die beiden schon länger, denn Boef erzählt sowohl von aktuellen Ereignissen als auch von solchen aus der Zeit, in der er noch unbekannt war.

Letztendlich ist mir bei diesem Lied auch ziemlich egal, wovon genau es handelt. Ich liebe die niederländische Sprache, sie hat für mich etwas gemütliches und fast niedliches. Meine Mutter wurde nahe der niederländischen Grenze geboren, und auch unser Plattdeutsch ist dieser Sprache nicht unähnlich, vielleicht liegt es daran, dass ich mich immer wie zuhause fühle, wenn ich Niederländisch höre, auch wenn ich wie in diesem Fall längst nicht alles verstehe.

Boef gehört zu meinen aktuellen Lieblingskünstlern.

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Montag, 17. September 2018
Ishtar/Alabina - Horchat hai caliptos
Ich habe mit Dalida und Georges Moustaki bereits zwei Künstler vorgestellt, die die Kulturen mehrerer Mittelmeerländer vereinigen. In diese Kategorie gehört auch die Gruppe Alabina. Ihre Sängerin Ishtar, die auch als Solistin auftritt, ist Israelin nordafrikanischer Abstammung, ihre Muttersprache ist Arabisch. Begleitet wird sie von den spanischsprachigen Flamencomusikern "Los Niños de Sara", die auch die männlichen Stimmen beisteuern. Produziert wird die Gruppe in Frankreich, und dieses Gemisch hat zur Folge, dass das Repertoire Alabinas und Ishtars arabische, spanische, hebräische, französische und englische Musik umfasst.

Wenn ich mir CDs der Band anhöre, gefällt mir genau diese Vielfalt der Sprachen sehr gut. Ich mag viele der Lieder, mein Favorit ist das hebräische "Horchat hai caliptus", "Eukalyptuswald". Die Bandbreite ist aber enorm, wer Lust auf arabischen Flamenco oder französische Chansons hat, ist gut beraten, in einschlägigen Foren nach Alabina oder nach Ishtar zu suchen.

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Sonntag, 16. September 2018
Georges Moustaki - Si ce jour-là
"Wenn ihr an jenem Tag etwas traurig seid, zeigt es den Freunden nicht"

Georges Moustaki kam als Kind griechischer Juden in Ägypten zur Welt; die Umgangssprache zuhause war Italienisch, was erklärt, dass sein Geburtsname mal als Youssef Moustacchi, mal als Giuseppe Mustacchi angegeben wird. Als Kind besuchte er eine französische Schule und ging als Jugendlicher nach Paris. Dieser Hintergrund erklärt, warum er Zeit seines Lebens das Mittelmeer als seine Heimat betrachtete, er sah die Gemeinsamkeit der Völker, nicht die Grenzen. Als junger Mann hatte er eine kurze Affäre mit der wesentlich älteren Édith Piaf, er ist Autor eines ihrer bekanntesten Lieder, "Milord".

Den Höhepunkt seiner Karriere hatte Moustaki zu der Zeit, als ich zur Schule ging, und ich habe die Texte seiner Chansons förmlich aufgesogen. Mehrmals habe ich im Unterricht Referate über seine Lieder gehalten, und meine Französischlehrerin gestand mir, dass sie die Brillanz der Worte erst durch meine Ausführungen entdeckt hat.

Moustakis Texte handeln vom Miteinander, nicht nur der Nationen, sondern auch der Menschen, und vermitteln viel Zuversicht; allerdings gibt es auch Lieder wie "Chanson cri", wo er zunächst Vergewaltigungen anprangert, um seine Kritik später auf alle negativen Seiten des Lebens auszuweiten.

Schon damals berührte mich der Text des Liedes "Si ce jour-là" sehr. Moustaki besucht die Beerdigung eines Freundes und sieht dabei eine traurige Veranstaltung und in schwarz gekleidete Menschen. Er findet, dass der Verstorbene einen würdigeren Abschied verdient gehabt hätte und macht Pläne für seinen eigenen Tod. Sein Sarg soll nicht vormittags zur Erde gelassen werden, damit die Sonne Gelegenheit hat, den Boden zu erwärmen. Das Klischee von "Wein, Weib und Gesang" wird in seinen Vorstellungen durchaus zur Wirklichkeit, denn er weist auf seinen großen Weinkeller hin und bittet, dass seiner Partnerin bei einem fröhlichen Fest viel Liebe bezeugt wird. Er möchte, dass sich die Menschen von ihm verabschieden wie nach einem Fest, ohne verbitterte Mienen, höchstens mit einem Kloß im Hals.

Moustaki starb 2013; leider habe ich nie herausfinden können, wie viele seiner Ideen bei seinem Begräbnis tatsächlich realisiert wurden. Ich habe, als ich von seinem Tod hörte, ganz in seinem Sinne eine Flasche Rotwein geöffnet und ihm in Gedanken zugeprostet - nicht ohne ihm für seine zahlreichen wundervollen Lieder zu danken.

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Samstag, 15. September 2018
Dulce Pontes - Canção do Mar
Ich bin am Meer aufgewachsen, ich liebe das Meer nicht nur, ich brauche es zum Leben. Das ist mir klar geworden, als ich zweimal in Städten wohnte, die weit entfernt vom Meer lagen, und ich beide Male fast eingegangen wäre.

Wenn ich am Strand stehe und auf die Ostsee hinaus sehe, wird mir immer wieder klar, wie endlich alles um mich herum ist, und wie unendlich weit das Meer ist. Ich kann stundenlang am Ufer stehen, vorzugsweise an Tagen, an denen es dort menschenleer ist, ich beobachte die Möwen, und ich fühle mich gleichzeitig winzig klein und als Teil eines gigantischen Ganzen.

Das Meer verkörpert für mich eine Art positive Melancholie. Das ist wohl auch der Grund, warum Lieder, die dieses Thema behandeln, oft eher nachdenklich sind. Mein Favorit ist "Canção do Mar" - Lied des Meeres - der portugiesischen Sängerin Dulce Pontes. Ich denke, dass Dulces vom Fado geprägte flehende Stimme und die kraftvolle, treibende Melodie perfekt das beschreiben, was ich über das Meer denke.

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Donnerstag, 13. September 2018
Sertab Erener - Everyway That I Can
Ich halte Sertab Erener für die weltweit talentierteste und beste Sängerin insbesondere um die Jahrtausendwende, und ich war wie elektrisiert, als ich Ende 2002 erfuhr, dass diese Künstlerin die Türkei im Folgejahr beim Eurovision Song Contest vertreten sollte. Ich machte sofort Werbung für sie, und ich hatte damals zumindest lokal eine gewisse Popularität, weil die Vorentscheidungen 2002 und 2003 in meiner Heimatstadt Kiel stattfanden und ich deshalb etwas Medienpräsenz hatte. So kam es auch, dass ein Fernsehteam des MDR-Magazins "Brisant" auf mich aufmerksam wurde. Sie wussten, dass die Türkei bis dahin meist eher schlecht beim ESC abgeschnitten hatte und schlossen daraus, dass dies auch 2003 der Fall sein würde. So wurde ein Portrait über mich gedreht, das darauf hinauslaufen sollte, dass ein völlig verrückter und durchgeknallter Fan ein völlig aussichtsloses Lied unterstützt - so etwas wie eine Freakshow zur Belustigung des Publikums also. Erste Aufnahmen wurden in meiner Wohnung und in einem türkischen CD-Geschäft gemacht, dann begleitete mich das Team nach Riga, wo der Wettbewerb stattfand.

Als Sertab ihre erste Probe absolvierte, sah mich der Redakteur verblüfft an und sagte "Die ist ja wirklich gut!" - ich entgegnete genauso verblüfft "Natürlich, was dachtest du denn?"

Das Team interviewte daraufhin diverse internationale Besucher und stellte überrascht fest, dass die Türkei neben Russland tatsächlich zu den Favoriten gehörte.

Offenbar schrieb das Team sein Konzept daraufhin in Windeseile um, denn der Beitrag erschien - zwei Tage vor dem Wettbewerb - unter dem Motto "Hat dieser Deutsche den richtigen Riecher?"

Am großen Abend trug ich ein T-Shirt mit der türkischen Flagge, und ich war sehr zufrieden mit Sertabs Auftritt - allerdings hatte sie die Startnummer 4 von 26 Teilnehmern, sang sie vielleicht zu früh? Die Wertung war sehr spannend, immer wieder wechselten sich die Türkei, Russland und unerwartet auch Belgien an der Spitze ab. Erst die letzten Punkte zeigten, dass die Türkei tatsächlich gewonnen hatte. Zwischen Platz 1 und 3 waren nur 4 Punkte! Ich glaube, dass dies der glücklichste Moment meines Lebens war.

Ich hatte Sertab wenige Tage vor dem ESC kennengelernt - natürlich filmte mich das MDR-Team dabei. Sie war sichtlich und ehrlich erfreut, auch außerhalb der Türkei bekannt und beliebt zu sein. Ich sah sie nach ihrem Sieg noch ein paarmal, teils in Bochum, teils in Istanbul. Ich freute mich jedesmal, wenn sie sich mit meinem Namen begrüßte, und sie schenkte mir eine CD mit unveröffentlichten Aufnahmen -ich hüte sie, wie man so sagt, wie meinen Augapfel und höre sie immer noch gern.

Wenn ich heute Sertabs ESC-Auftritt noch einmal sehe, läuft es mir noch immer kalt den Rücken hinunter. Ich bilde mir ein, dass ihr "Ha!" nach dem ersten Refrain den Ausschlag gegeben hat - irre ich mich?



"Ten points to Turkey" - ich glaube, das war das einzige Mal in meinem Leben, dass ich in Freudentränen ausgebrochen bin.

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Mittwoch, 12. September 2018
Mustafa Sandal - Aşka yürek gerek
Als ich eines Abends durch Istanbul schlenderte, traf ich eine Kollegin, mit der ich mich gut verstand. Sie sah sehr traurig aus, und ich fragte sie, was los sei. Sie erzählte mir, dass sie das Gefühl hatte, dass ihr Freund sie betrügt, und dass sie ihn auf keinen Fall verlieren wollte. Ich tröstete sie und machte ihr Mut, soweit mir das mit meinen eingeschränkten Türkischkenntnissen möglich war. Schließlich lud ich sie in ein Restaurant ein und bestellte für uns beide Rinderherz am Spieß, lecker in einer sensationellen Kräutermarinade eingelegt. Sie dankte mir und fragte mich, warum ich ausgerechnet dieses Essen gewählt habe. Ich lächelte und sang "Aşka yürek gerek" - "Liebe braucht Herz". Meine Kollegin musste lachen und war sofort etwas besserer Stimmung. Nach ein paar Tagen traf ich sie zusammen mit ihrem Freund - alles war wieder in Ordnung. Diese Geschichte spielte sich vor elf Jahren ab, wir sind noch immer in Kontakt, die beiden sind mittlerweile verheiratet und stolze Eltern von zwei Kindern.

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Sonntag, 9. September 2018
Chagrin d'Amour - Chacun fait c'qui lui plait
Ich mag Rap-Music besonders dann, wenn sie nicht auf Englisch oder Deutsch interpretiert wird - meine bevorzugten Sprachen sind Französisch und Italienisch, neuerdings auch Niederländisch.

1981 erschien in Frankreich ein Lied, das mir sehr gefiel. Die Gruppe Chagrin d'Amour (Liebeskummer) erzählt in "Chacun fait c'qui lui plait" (Jeder macht, was ihm gefällt) die Geschichte eines Mannes, der um fünf Uhr morgens verkatert und einsam aufwacht und sich auf der Suche nach mehr Alkohol ein letztes Glas einschenkt. Dieses zerbricht allerdings, er schneidet sich an den Scherben, hat keine Zigaretten mehr, und so muss er auf der Suche nach mehr seine Wohnung verlassen.

Der Weg führt ihn in eine kleine Bar, wo er neben Champagner auch eine Blondine trifft, die bald darauf mit ihm zusammen ein Hotel aufsucht. Als dieses Treffen zuende geht, fühlt sich der Erzähler so einsam wie vorher, aber nicht nur er. Auch die Frau schildert, es ist mittlerweile acht Uhr, die gleichen Gedanken und Gefühle, die am Anfang des Liedes beschrieben wurden. Die Erzählung endet damit, dass auch ihr das Trinkglas zerbricht, und dass sie sich - wie er zuvor - beim Aufkehren der Scherben schneidet.

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Samstag, 8. September 2018
Stromae - Papaoutai
Ich habe schon früh festgestellt, dass ich Musik aus Belgien oft sehr gern mag, und zwar unabhängig vom Musikstil. Manchmal erfahre ich erst später, aus welchem Land die Künstler stammen - das Resultat ist dann, dass mir "hätte ich mir denken können" durch den Kopf schießt.

Auch Stromae ist Belgier. Seine erste Veröffentlichung, "Alors on danse", war ein internationaler Hit, danach wurde es in vielen Ländern ruhiger um ihn - nicht so allerdings im französischsprachigen Raum, wo er nach wie vor sehr erfolgreich ist.

Ich habe mehrere Ausschnitte aus Talkshows gesehen, in denen Stromae zu Gast war, und dabei gesehen, dass er sehr stark reflektiert. Seine Gedanken sind sehr pointiert, und so kommt es auch, dass seine Lieder nicht nur unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anregen.

In Papaoutai (Papa où t'es - Papa, wo bist du), geht es auch um seine eigene Vergangenheit - er wuchs ohne Vater auf, und dieser wurde ermordet, als Stromae noch ein Kind war. Im (hervorragend produzierten) Video sieht man einen Jungen, der sieht, wie seine Freunde mit ihren Eltern Spaß haben, während er mit einer Puppe Vorlieb nehmen muss. Im Text heißt es sinngemäß "Überall erfährt man, wie man Kinder macht, aber wie macht man einen Vater?"

Ich halte Stromae für einen der wichtigsten Künstler der letzten zehn Jahre, und ich hoffe, dass er mich mit vielen weiteren Liedern verblüfft.

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Freitag, 7. September 2018
Mecano - El 7 de Septiembre
Nein, es ist natürlich kein Zufall, dass ich ausgerechnet heute ausgerechnet dieses Lied ausgewählt habe. Es steht aber stellvertretend für das Gesamtwerk der spanischen Gruppe Mecano, die ich insbesondere um 1990 herum sehr gern gehört habe und immer noch sehr mag.

Wie die meisten Deutschen kam ich mit Mecanos Musik erstmals durch ihr 1987 veröffentlichtes Lied "Hijo de la luna" in Berührung, das hierzulande auch ihre einzige kommerziell erfolgreiche Single blieb. Einige Jahre später hatte die Gruppe Loona mit einer Coverversion dieses Liedes allerdings einen größeren Hit. Ich versuchte, mehr über Mecano zu erfahren, und stellte fest, dass sie in ihrer Heimat sehr erfolgreich waren. Ich besorgte mir einige CDs, und vor allem die 1991 erschienene "Aidalai", aus der auch das vorgestellte Lied stammt, gefiel mir sehr gut.

Mecano lebt von der Stimme der Leadsängerin Ana Torroja, ich war immer wieder verblüfft, wie wandelbar und doch unverkennbar sie klang - kraftvoll und temperamentvoll beispielsweise bei "Una rosa es una rosa", einem Flamenco, fast zerbrechlich hingegen bei Balladen, beispielsweise in den langsameren Passagen von "El fallo positivo", das mich auch textlich sehr beeindruckte.

Bei "El 7 de Septiembre" zeigt Ana beide Facetten. Leider trennte sich die Gruppe bald darauf, zwar kam es zu einer in Spanien sehr erfolgreichen Wiedervereinigung Ende der 1990er Jahre, aber auch diese hielt nicht lange. Ich habe lange gesucht, um ähnliche Musik zu finden - am ehesten ist wohl die Gruppe "La Oreja de Van Gogh" mit diesem Stil vergleichbar.

Das Lied handelt übrigens vom Jahrestag einer mittlerweile zerbrochenen Beziehung. So haben Ana und ich so etwas wie eine Gemeinsamkeit: Sie denkt am 7. September immer an eine Liebe, ich an eine Band, und beide existieren nicht mehr.

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