Donnerstag, 23. Mai 2019
Korrektur des Ergebnisses
Die veranstaltende EBU korrigierte gestern das Endergebnis des ESC, weil, wie es heißt, durch einen "menschlichen Fehler" falsche Punkte der weißrussischen Jury verkündet wurden. Am Sieg der Niederlande ändert das nichts, auch die Ränge 2 bis 4 bleiben unverändert; allerdings tauschen Norwegen und Schweden die Plätze 5 und 6, was de facto heißt, dass ich die Top 5 korrekt, wenn auch nicht in richtiger Reihenfolge, prognostiziert habe, was mir zuletzt 2004 gelang. Einen weiteren Platzierungstausch gab es zwischen Aserbaidschan und Nordmazedonien, die korrekten Top 10 des Wettbewerbs lauten also:

1. Niederlande
2. Italien
3. Russland
4. Schweiz
5. Schweden
6. Norwegen
7. Nordmazedonien
8. Aserbaidschan
9. Australien
10. Island

Auch Deutschland erhielt durch diese Unregelmäßigkeiten 8 Punkte zuviel und belegt in der nunmehr (hoffentlich) endgültigen Ergebnisliste nur noch Platz 25.

In der Vergangenheit gab es mehrmals nachträgliche Korrekturen der Punktzahlen (z.B. 1976 und 1977), selten hatten diese allerdings Auswirkungen auf die Platzierungen. Ich denke, dass diese Änderungen eher statistische Bedeutung haben, von den Zuschauern, die die beim ESC verkündeten Ergebnisse am letzten Samstag zur Kenntnis genommen haben, wird sich vermutlich außerhalb der betroffenen Ländern nur eine marginale Anzahl interessieren.

Hier ist die Verlautbarung auf der EBU-Seite: https://eurovision.tv/story/ebu-issues-statement-on-eurovision-2019-grand-final-result

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Sonntag, 19. Mai 2019
Nach dem Finale - Teil 2
Mein allerherzlichster Glückwunsch an die Niederlande, ich freue mich sehr über den Sieg beim diesjährigen ESC, nicht nur, weil ich darauf getippt habe, sondern auch, weil ich denke, dass Hilversum (wie 1958), Amsterdam (wie 1970), Den Haag (wie 1976 und 1980) oder welche Stadt auch immer ein guter Gastgeber sein wird, zudem in einem Land, das, wie drücke ich mich vorsichtig aus, politisch weniger Angriffspunkte bietet als Israel, die Ukraine oder Aserbaidschan, um drei Austragungsländer der jüngeren Vergangenheit zu nennen.

Die Organisation klappte in Israel nach und nach besser, beim ersten Halbfinale gab es insbesondere bei der Tontechnik noch Unregelmäßigkeiten, bis zum Finale waren diese weitestgehend behoben. Da passt es gut, dass die erste Halbfinalrunde ganz offensichtlich die schwächere der beiden war, das beste Lied, das sich hier qualifizierte, landete im Finale auf Platz neun. Vier Moderatoren sind meiner Ansicht nach einfach zu viel, insbesondere Erez Tal, der mehrere Jurysprecher mit „Good Night“ begrüßte und auch in anderen Punkten von seinem Kollegen Assi Azar mehr oder sanft korrigiert wurde, war überflüssig.

Überflüssig war auch der Auftritt von Madonna, der die Show unnötig in die Länge zog und, hier kommt wieder die Tontechnik ins Spiel, stellenweise amateurhaft klang. So tat sie sich keinen Gefallen, statt der erhofften Werbung für ihr neues Album erntete sie Häme und Spott. Während der gesamten Zeit klagten übrigens viele Anwesende darüber, dass die Klimaanlagen die Temperaturen zu sehr drosselten, Berichterstatter froren, und der russische Sänger Sergey klagte bei einer Pressekonferenz über stimmliche Probleme und bat darum, es möge doch etwas wärmer sein, offenbar ohne Erfolg.

Ich weiß, dass viele Menschen mich für ignorant halten, und aus ihrer Sicht stimmt das vermutlich sogar, aber ich habe kein Verständnis dafür, dass sich Leute aus religiösen Gründen Einschränkungen auferlegen, insbesondere dann, wenn Nichtbeteiligte darunter leiden – hier geht es um den stark eingeschränkten Busverkehr am Schabat, der viele Gäste vor vermeidbare logistische Probleme stellte. Es muss doch auch in Israel genügend Nichtjuden geben, die die Arbeit übernehmen können?

Seit 2009 erfolgt die Wertung hälftig durch Jurys und die Fernsehzuschauer, mittlerweile werden beide Komponenten getrennt voneinander bekanntgegeben, und oftmals gibt es zwischen diesen beiden Komponenten erhebliche Unterschiede. So lag die tschechische Band Lake Malawi bei den Zuschauern mit nur sieben Punkten an drittletzter Stelle, belegte aber dank der Jurys insgesamt Platz 11 – andererseits landeten die Publikumssieger aus Norwegen insgesamt „nur“ auf Platz 5 (was ich sehr begrüße, aber das nur nebenbei). Immer wieder werden Stimmen laut, die beklagen, dass ihr Favorit viel besser abgeschnitten hätte, wenn bestimmte Gruppen nicht abgestimmt hätten – ich finde das müßig, die Regeln sind bekannt, wenn man sie ändern möchte, kann man dies bei den entsprechenden Gremien beantragen – spätere Beschwerden halte ich für ärgerlich.

Die Jurys retteten den deutschen Beitrag vor dem letzten Platz, dort landete das Vereinigte Königreich, wohl auch wegen stimmlicher Probleme, die Sänger Michael Rice erst während seines Vortrags in den Griff bekam. Dissonanzen werden erfahrungsgemäß immer hart bestraft, und ich möchte wetten, dass es auf den britischen Inseln viele Stimmen gibt, die das schlechte Ergebnis auf das Durcheinander beim Brexit schieben, so wie es 2003 war, als für die 0 Punkte des britischen Beitrags (der wirklich erbärmlich interpretiert wurde) die damalige Beteiligung am Irak-Krieg verantwortlich gemacht wurde. Deal with it, dear Britains, and don‘t blame others! Nebenbei ganz wertfrei: Deutschland erzielte mit Platz 24 das zweitbeste Resultat der letzten fünf Jahre.

Wie ich schon in meinem letzten Eintrag vermutete, wird über Konsequenzen gegen die isländische Delegation wegen des Zeigens der palästinensischen Flagge beraten; dieser Vorfall wiegt u.U. schwerer als das Zeigen der Flagge von Bergkarabach durch die armenische Interpretin 2016, weil es sich diesmal um eine Provokation gegen das Gastgeberland handelt, die zudem auch noch angekündigt war (siehe mein Bericht zum ersten Halbfinale).

Übrigens, für die Statistik: Nordmazedonien und San Marino belegten jeweils den besten Platz ihrer ESC-Geschichte.

A propos Geschichte – dazu gehört jetzt auch der ESC 2019, und in wenigen Tagen haben sich sicher auch die Gemüter derjenigen beruhigt, deren Favoriten weniger gut abgeschnitten haben. Und falls – ich sage falls! - irgendwelche Skandälchen oder Unregelmäßigkeiten aufgedeckt werden sollten, möchte ich alle Leute bitten, sich nicht zu echauffieren, sondern daran zu denken, dass auch der ESC nur eine Unterhaltungsshow ist.

Neben dem ESC wurden auch die Fußball-Bundesligen an diesem Wochenende beendet, mein besonderer Glückwunsch geht an den Herbstmeister HSV, dem es in beispielloser Anstrengung gelang, den Aufstieg erfolgreich zu verhindern.

Damit kann jetzt alle Aufmerksamkeit auf die Wahl zum Europaparlament gerichtet werden, die selten so wichtig war wie diesmal. Ich möchte deshalb alle Leser meiner Einträge herzlich bitten, auf jeden Fall zur Wahl zu gehen und ihre Stimme einer demokratischen Partei zu geben. Schon seit einigen Tagen ist dies auch per Briefwahl möglich, daher sage ich: „Europe – start voting now!“

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Nach dem Finale
Mein Mettbrötchen hat gute Arbeit geleistet, ich habe den Siegertitel richtig prognostiziert, und meine Top 5 landeten auf den Plätzen 1, 2, 3, 4 und 6 – ich bin zufrieden, auch damit, dass ich die plötzliche Begeisterung der letzten Tage für Australien und Frankreich nicht in meine Wertung einfließen ließ. Die deutschen Teilnehmerinnen wurden durch die Jurys vor dem letzten Platz gerettet, das Publikum vergab keinen einzigen Punkt für sie. Ich werde Details der Wertungen in den nächsten Tagen, wenn sie nach und nach veröffentlicht werden, zu analysieren versuchen und dann einen abschließenden Eintrag schreiben.

Noch ein paar Worte zur Show: Gelungen fand ich die Erinnerung an frühere Wettbewerbsteilnehmer, die folgenden Beiträge fand ich eher langweilig, am wenigsten erfreut war ich über den Auftritt Madonnas. Ich mag ihre Musik seit Beginn ihrer Karriere, und das ist mittlerweile etwa dreieinhalb Jahrzehnte her, und sie war immer wieder spektakulär. Beim ESC wirkt sie auf mich allerdings wie ein Fremdkörper, da sie keinen Bezug dazu hat, und weil die Gefahr besteht, dass neben ihr die Teilnehmer, die sich monatelang akribisch vorbereitet haben und in den meisten Fällen das größte Publikum ihrer Karriere haben, wie Statisten aussehen. Zudem hat sie sich mit dem Auftritt meines Erachtens keinen Gefallen getan, viele Zuschauer warteten vermutlich wie ich auf die Wertungen und mussten stattdessen immer länger wegen einer Show, die wie ein Pausenfüller wirkte (was sie ja auch war), warten.

Ich bin übrigens gespannt, ob das Zeigen der palästinensischen Flagge durch die isländische Delegation während der Punktvergabe Konsequenzen haben wird. Die Regeln besagen, dass neben den Flaggen der Teilnehmerländer nur einige wenige weitere, beispielsweise die europäische oder die Regenbogenflagge gezeigt werden dürfen. Das Publikum reagierte jedenfalls verstimmt.

Eine kleine Anekdote, die mich zum Lachen gebracht hat: Ich verfolge die Pressekonferenzen nach den Halbfinalrunden, weil dort per Los entschieden wird, in welcher Starthälfte die Interpreten im Finale auftreten. Normalerweise ist die Fragerunde recht langweilig, jeweils ein Fragesteller aus dem jeweiligen Land und einer von anderswo kommen zu Wort, und meist kommen die Fragmente „How do you feel“ und „Amazing“ in den Wortwechseln vor, der Informationsgehalt ist meist sehr überschaubar. Beim ersten Halbfinale gab die Moderatorin die Diskussion allerdings frei, was dazu führte, dass sich viele türkische Beobachter an ihren Landsmann Serhat, der San Marino vertritt, wandten. Als es endlich auch eine Frage an Klemens aus Island gab, erkundigte sich dieser, ob nicht lieber Serhat antworten soll. Klasse!

2020 wird der ESC in den Niederlanden ausgetragen, zuletzt war das 1980 der Fall. Der letzte Sieg des Landes liegt noch etwas weiter zurück, er war 1975.

Einen abschließenden Eintrag werde ich, wie schon erwähnt, bald nachreichen.

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Freitag, 17. Mai 2019
(Endgültiger!) Tipp fürs Finale
Ein paar Stunden sind nach der Bekanntgabe der Startreihenfolge vergangen, die Wettquoten haben reagiert (was für mich nicht ausschlaggebend, aber ein Indikator ist), und ich sortiere meine Favoriten noch einmal neu.

Die Organisatoren haben den Niederlanden den spätestmöglichen Startplatz gegeben; sie haben das Los gezogen, in der ersten Hälfte des Teilnehmerfeldes aufzutreten, Nummer 13 wäre ungünstig, nicht aus Aberglauben, sondern weil auf Platz 14 eine weitere Ballade startet, nämlich die aus dem Gastgeberland Israel, das als einziges eine konkrete Nummer ziehen durfte, also blieb für Duncan die Nummer 12. Zwei weitere der großen Favoriten treten ebenfalls bereits früh an, hier wurde aus künstlerischen Gründen für Abstand gesorgt, sodass Schweden als Achter antritt, Russland bereits als Fünfter.

Meine Mitfavoriten Tschechien und Slowenien, die ebenfalls in der ersten Hälfte antreten, habe ich von meiner Liste gestrichen, sie sind nicht stark genug, um sich gegen die Konkurrenz zu behaupten, vermute ich – übrigens beim Verzehr eines Zwiebelmettbrötchens, für mich die optimale Nervennahrung, aber das nur nebenbei.

In der zweiten Hälfte finden wir viele Lieder, die als weniger stark eingestuft werden, aber auch die weit vorn gesetzten Lieder aus Italien und auf der Nummer 24 die Schweiz, die im Halbfinale überzeugen konnte. Dies gilt auch für Aserbaidschan, das mit Platz 20 ebenfalls eine gute Ausgangsposition hat.

Und dann sind da noch die beiden Lieder, die ich bis vor wenigen Tagen überhaupt nicht auf Rechnung hatte, die aber erstaunlich viel Zuspruch bekommen, und die hervorragende Ausgangspositionen haben, nämlich Frankreich (Startplatz 21) und insbesondere Australien (Startplatz 25). Ich kann mich mit beiden Liedern nach wie vor nicht anfreunden, ziehe sie aber selbstverständlich in meine Überlegungen mit ein.

Und dann ist da noch Spanien, das ganz am Ende des Starterfelds für eine Fiesta der guten Laune sorgt.

Jetzt übernimmt mein frisch gestärkter Bauch die detaillierte Rangliste. Die Niederlande liegen in den Wettquoten weit vorn, schaffen sie es, trotz ihres relativ frühen Auftretens zu gewinnen? Ein Biss ins Brötchen, und ich entscheide mich für „ja“, zumal ich dieses Lied, wie man im Eintrag zum zweiten Halbfinale nachlesen kann, schon vorher als perfekt bezeichnet habe.

Auf Platz zwei bei den Buchmachern liegt die Australierin; sollte sie tatsächlich ihre sehr guten Startposition ausnutzen können? Hier rebelliert mein Bauch, ich habe keine rationale Begründung, aber ich glaube es einfach nicht, dass dieses Lied so gut abschneidet. Stattdessen geht mein Platz zwei an die unmittelbar davor antretende Schweiz, Luca hat im Halbfinale meine letzten Zweifel beseitigt.

Auf Platz drei sehe ich John aus Schweden, ich mag seine positive Ausstrahlung und insbesondere auch die seiner Chorsängerinnen. Ich denke, dieses Lied ist mitreißend genug, um in Erinnerung zu bleiben.

Mein Platz vier geht nach Italien, vielleicht das kommerziellste Lied des Abends; mich stören nach wie vor die Tänzer, Mahmood hätte allein meiner Meinung nach besser gewirkt.

Für Platz fünf bleiben noch mehrere der von mir genannten Lieder übrig, ich grenze diesen Kreis auf Russland und Aserbaidschan ein. Chingiz hat eine gute Ausgangsposition und konnte im Halbfinale überzeugen, trotzdem entscheide ich mich für Russland, hier stimmt das Gesamtpaket, und mit Sergey Lazarev ist ein Star am Start, der weit über seine Landesgrenzen hinaus populär ist und insbesondere von den Zuschauern viele Stimmen bekommen wird.

Ich habe mich also gegen Australien entschieden, vielleicht werde ich es, wenn das Endergebnis feststeht, bereuen, aber dieser Beitrag widerstrebt mir einfach zu sehr.

Meine Entscheidung ist also folgende Reihenfolge an der Spitze:

1. Niederlande
2. Schweiz
3. Schweden
4. Italien
5. Russland

Das ist jetzt mein endgültiger Tipp, versprochen, am Sonntag oder spätestens am Montag ziehe ich dann ein Gesamtresümee des gesamten Wettbewerbs. Bis dann!

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Vor dem Finale (geändert um 2.25 Uhr)
Welche Beiträge belegen die ersten fünf Plätze im ESC-Finale? Ich habe seit vielen Jahren den Ehrgeiz, dies möglichst genau zu prognostizieren. Ein einziges Mal ist es mir gelungen, alle fünf richtig vorherzusagen, wenn auch nicht in der korrekten Reihenfolge, und das ist 15 Jahre her – kann ich meine Treffsicherheit vom zweiten Halbfinale wiederholen?

Ich erarbeite mir meine Tipps in mehreren Phasen. Die erste und sehr wichtige ist der erste Eindruck. Gibt es ein Lied, das mir sofort gefällt, das im Gedächtnis bleibt, das ich auch Stunden später noch vor mich hinsumme? 50% der Stimmen kommen von den Zuschauern, die meisten von ihnen hören die Beiträge bei der Sendung zum ersten Mal, deshalb ist es schön, wenn sich einer von ihnen akustisch absetzen kann. Mir gefiel sofort das Lied aus Tschechien, es wurde mein persönlicher Favorit in der Zeit vor den Einzelproben; dass es in keiner der Listen, die ich verfolge, sonderlich weit oben gesehen wurde, störte mich weniger. Wer zuletzt lacht… Und da sind wir auch schon bei der zweiten Phase, ich sehe mir an, welche Beiträge allgemein gut und welche schlecht bewertet werden. Vor den Proben zeichnete sich ein Zweikampf zwischen den Niederlanden und Italien ab, und dieser italienische Beitrag war, insbesondere nach dem Sieg beim Sanremo-Festival, auch kommerziell recht erfolgreich. Aufgrund der Listen und auch nach nochmaligem Anhören nahm ich auch die Schweiz, Slowenien und Schweden in meinen Favoritenkreis auf – und natürlich Russland, das aus jeder Pore nach dem Sieg zu schreien scheint.

Es folgten die Einzelproben, die ich so intensiv verfolgte, wie es die räumliche Distanz von mehreren 1000 km und meine Zeit erlaubten. Schon hier stieg Aserbaidschan in meiner Wertung auf, was sich durch den Auftritt im ersten Halbfinale bestätigte. Zusätzliche persönliche Pluspunkte, die aber keinen Einfluss auf meine Einschätzung haben, sammelte der Sänger Chingiz übrigens, indem er bei einem Interview bewies, dass er auch spanischen Flamenco auf der Gitarre spielen kann. Einige Berichte, die ich in dieser Zeit las, verunsicherten mich allerdings – zwei der Lieder, die ich vorher überhaupt nicht auf Rechnung hatte, stiegen in den Wettquoten und bekamen sehr gute Kritiken, nämlich die aus Frankreich und Australien. Sollte ich diese in meine Überlegungen einbeziehen? Ich sträubte mich dagegen, zu sehr widersprachen sie meiner Vorstellung von einem Siegertitel, auch wenn ich diese nicht definieren kann. Ich verlasse mich bei meinen Einschätzungen sehr auf mein Bauchgefühl, und dieses wird von den zwei genannten Liedern überhaupt nicht angesprochen.

Parallel versuchte ich in einer Art Ausschlussverfahren, bei den in Erwägung gezogenen Kandidaten Negativpunkte zu finden, die einen Sieg verhindern könnten. Bei Russland befürchte ich, dass insbesondere die Jurys aus politischen Gründen bewusst weniger Punkte vergeben, beim Italiener finde ich die Tänzer überflüssig, und der Schweizer wirkte auf mich, wie schon im Beitrag über das zweite Halbfinale beschrieben, absolut nicht wie der Latin Lover, den er mit seinem Lied vorzugeben scheint, allerdings überzeugte mich sein Auftritt im zweiten Halbfinale. Das Auge isst mit, auch der optische Eindruck spielt eine große Rolle, vielleicht wirken die Beiträge aus Slowenien und den Niederlanden zu eintönig.

Auch wenn ich schon immer der Meinung war, dass ein gutes Lied von jeder Startnummer aus gewinnen kann, warte ich die Festlegung der Reihenfolge ab, bevor ich mich endgültig festlege. Seit einigen Jahren wird diese nicht mehr im Detail ausgelost (sondern lediglich die Frage, ob ein Beitrag in der ersten oder in der zweiten Hälfte des Wettbewerbs startet), so soll verhindert werden, dass eher ähnliche Lieder direkt aufeinanderfolgen (in diesem Jahr z.B. Malta und Weißrussland, die mit großem Abstand voneinander antreten). Und die Erfahrung zeigt eben doch, dass es ein Nachteil ist, zu früh anzutreten – dadurch findet Tschechien (Startnummer 3) keine Berücksichtigung bei mir.

An dieser Stelle habe ich gegen 2 Uhr am Freitag eine Prognose veröffentlicht. Ich war aber vermutlich etwas vorschnell, daher schlafe ich noch einmal darüber und veröffentliche meinen endgültigen Tipp am Freitagmittag.

Hier ist die komplette Startreihenfolge:



Am Sonntag schreibe ich einen Rückblick auf das gesamte Festival, natürlich auch mit Auswertung meiner Treffsicherheit.

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Donnerstag, 16. Mai 2019
Nach dem zweiten Halbfinale
Offenbar habe nicht nur ich akustische Unzulänglichkeiten beim ersten Halbfinale gehört, auch Beobachter vor Ort berichteten von Problemen, mehrere Delegationen durften eine außerplanmäßige dritte Einzelprobe durchführen, was aufgrund des engen Zeitplans nur in begründeten Ausnahmefällen der Fall ist. Auch die Umsetzung der Beiträge auf der Bühne verursacht offenbar immer wieder einige Schwierigkeiten; die Juroren, die bereits gestern bei der Generalprobe abstimmen durften, bekamen die Anweisung, ihre Punkte nicht vom optischen Eindruck abhängig zu machen, der eigentlich ein Bewertungskriterium ist. Beim Originaldurchlauf hat aber alles, soweit ich es beurteilen kann, besser geklappt, sodass ich hoffe, dass zumindest bis zum Finale am Samstag alles reibungslos funktioniert, damit das böse Wort Wettbewerbsverzerrung erst gar nicht aufkommt.

Zu meinen Prognosen: 10/10, nicht nur eine deutliche Steigerung gegenüber Dienstag, sondern das optimale Ergebnis, ich gebe zu, ich bin ein bisschen stolz.

Ein besonderer Glückwunsch geht in die Schweiz, ich hatte eine hohe Erwartung zu diesem Beitrag, Luca, du hast sie übertroffen!

Im Laufe des Freitags werde ich, nachdem die Startnummern bekanntgegeben wurden, meine Prognose für das Finale abgeben. Mal sehen, ob ich wieder so treffsicher bin wie heute.

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Dienstag, 14. Mai 2019
Nach dem ersten Halbfinale
Bevor ich zum Ergebnis der ersten Halbfinalrunde komme, erlaube ich mir drei allgemeine Anmerkungen:

Die Tonqualität war miserabel, insbesondere was die Aussteuerung angeht. Die Solisten waren zu leise, der Chor zu laut, und einige Interpreten klangen regelrecht dissonant – das kann im Einzelfall vorkommen, aber nicht in dieser Masse. Insbesondere die Gruppe aus Montenegro klang, als würde man einen Wurf Welpen ertränken.

Vier Moderatoren sind meiner Meinung nach zu viel – das fand ich schon bei früheren Wettbewerben, in diesem Jahr hätte aber definitiv die Hälfte gereicht.

Seit einigen Jahren werden bei immer mehr Beiträgen die Chorsänger nicht gezeigt, sondern irgendwo im Hintergrund versteckt. Auf mich wirkt das wie ein Vokal-Playback, was nicht den Regeln entsprechen würde.

Jetzt aber zu den Ergebnissen: 7/10 richtige Prognosen – ich weiß nicht, ob ich schon einmal schlechter war. Ich muss mich am Donnerstag unbedingt steigern :-) Ich hatte befürchtet, dass sich Australien qualifiziert – ich kann damit nichts anfangen, ich sehe und höre da nur drei Vogelscheuchen. Ich hatte schon in der Vorbesprechung erwähnt, dass ich für den weißrussischen Beitrag vermutlich zu alt bin, offenbar gibt es aber genügend Zuschauer (und Juroren), bei denen das nicht der Fall ist. Und Estland – ich finde es zu durchschnittlich, aber offenbar hat es seine Anhänger gefunden. Was meine Tipps angeht, die es nicht geschafft haben, bedaure ich es am meisten für Ungarn. Joci hat eine solide und einzigartige Leistung gezeigt, vor zwei Jahren erzielte er mit einem ähnlichen Lied ein solides Ergebnis im Finale, diesmal scheidet er schon vorher aus. Von den Liedern aus Polen und Portugal war ich nie ein Freund, ich hatte bei beiden eher befürchtet, dass sie sich qualifizieren und bedaure nicht zu sehr, dass es ihnen nicht gelungen ist.

Ich freue mich besonders für Serhat aus Istanbul, der San Marino vertritt. Ich hatte gehofft, aber nicht wirklich geglaubt, dass wir ihn am Samstag wiedersehen. Tebrikler abi!

Meinen nächsten Kommentar schreibe ich in ziemlich genau 48 Stunden, nach der zweiten Halbfinalrunde.

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Sonntag, 12. Mai 2019
Nach den Proben
Die Einzelproben sind vorbei, und wie immer haben sich auch in meiner Einschätzung kleine Verschiebungen ergeben. Insbesondere Belgien ist bei mir abgerutscht, und auch beim tschechischen Beitrag bezweifle ich, ob er so locker und positiv herüberkommt wie im Video. Dafür sind Schweden und Aserbaidschan vom erweiterten in den engeren Favoritenkreis gestiegen. Mal sehen, wie genau ich sie einschätze – mehr dazu, wie schon erwähnt, am Freitag, Dann gibt es auch ein Fazit zur zweiten Halbfinalrunde, das zur ersten schreibe ich bereits am Mittwoch. Und nächsten Sonntag gibt es dann abschließend einen Gesamtkommentar.

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Finalisten
Hier ist die Meinung zu den Beiträgen, die bereits für das Finale qualifiziert sind, in Auftritt ihrer Proben, die Startreihenfolge wird erst nach dem zweiten Semifinale festgelegt. Meinen Tipp für die ersten fünf werde ich daher auch erst dann nennen, ich veröffentliche ihn bis spätestens Freitagmittag.

Israel

In der Türkei habe ich gelegentlich Kuchen gegessen, der mit Sirup übergossen wurde. Genau wie damals die Kalorien quillt aus diesem Beitrag das Pathos nur so heraus, und man fragt sich, ob das eine Persiflage oder eine maßlose Übertreibung sein soll, und ob der Sänger wirklich aus Fleisch und Blut ist, aber Kobi beteuert immer wieder inbrünstig „I am someone“, also glaube ich es ihm. Nach einem „Was ist das denn?“ am Anfang hat mich dieses Lied gepackt, es ist in diesem Jahr neben San Marino mein zweites Guilty Pleasure. Objektiv wird es aber keine Chancen haben, die ersten 20 zu erreichen.



Frankreich

Der französische Beitrag steigt in den Wettquoten nach der ersten Probe ständig nach oben, und ich kann dies nicht verstehen. Ich höre einen jungen Mann, der bei diversen Liveauftritten Schwierigkeiten mit seiner Stimme hatte, und ich sehe eine Darbietung, die offenbar das Thema „Diversity“ aufgreifen soll. Auf mich wirkt sie wie eine Holzhammermethode, wie ein Totschlagargument: Sobald man etwas gegen dieses Lied sagt, ist man gegen Schwule, Übergewichtige, Ausländer, Behinderte, was auch immer. Ich bleibe dabei, dass Frankreich in diesem Jahr weit unter dem Durchschnitt bleibt, und wenn ich mir die Studioversion anhöre, also ohne optischen Firlefanz und akustisch bereinigt, bleibt nur Langeweile. Wenn es Gerechtigkeit gibt, belegt dieses Lied einen Platz jenseits der 20.



Spanien

Olé, una sangria por favor! Dieses Lied vermittelt genau die Partystimmung, die ich mit den Stränden an der Costa Blanca oder in Maspalomas assoziiere. Dass der Text auch noch eine gute Botschaft hat, dass man nämlich die Augenklappe abnehmen und über den Tellerrand sehen soll, kommt positiv hinzu. Ein rundes Gesamtpaket, schön ist auch, dass Miki erst gar nicht versucht, perfekt zu wirken. Mit einem guten Startplatz ist eine Platzierung um die 10 herum durchaus möglich. Y ahora todos juntos: „La venda ya cayó y solo quedó la alegría...“



Italien

Perfekt – wie schon bei den Niederlanden ist das der beste Ausdruck, um diesen Beitrag zu beschreiben. Ein junger Mann beschreibt, wie sein Vater seine Familie verlassen hat und sich nur meldet, wenn er Geld braucht. Mahmood vermittelt seinen Zorn hervorragend und wirkt dabei selbstbewusst, man sieht, dass er mit diesem Teil seiner Vergangenheit abgeschlossen hat. Ich denke, zumindest die Grundstimmung des Liedes wird auch klar, wenn man des Italienischen nicht mächtig ist, zudem hat das zweifache Klatschen im Refrain einen hohen Wiedererkennungswert. Übrigens erinnert mich Mahmoods Stimme in den höheren Lagen an Eros Ramazzotti, geht das nur mir so? Allerdings: Ich empfinde die Tänzer als unnötig, sogar als störend. Trotzdem: Wieder ein ganz heißer Kandidat auf den Sieg.



Vereinigtes Königreich

Eine großartige Stimme singt ein hymnenartiges Lied – eine gute Mischung für den ESC. Zu den Autoren zählt der schwedische Interpret, eine gewisse Ähnlichkeit im Stil ist erkennbar, aber anders als dort moduliert Michael mehr mit seiner Stimme. Ganz offensichtlich hat das britische Fernsehen seit der nationalen Vorentscheidung an der Optik stark gearbeitet, und zwar eindeutig zum Vorteil. Der Sänger hat eine Hose in seiner Größe gefunden, er gestikuliert weniger übertrieben, der Auftritt wirkt runder – well done. Ich glaube nicht, dass das UK in der Spitzengruppe mitspielen kann, aber selbst ein solider Mittelfeldplatz wäre ein besseres Ergebnis als in den meisten Vorjahren.



Deutschland

Och nö. Dieses Flickwerk aus langsamen Teilen und hysterischem Zickenkrieg mit anschließender Versöhnung erreicht mich überhaupt nicht. Die Radiosender, die auf aktuelle Mainstream-Musik spezialisiert sind, scheinen meine Einschätzung zu teilen, das Lied kommt dort kaum vor. 2015 bis 2017 belegte Deutschland jeweils einen der letzten beiden Plätze, ich kann mir nicht vorstellen, dass es diesmal anders sein wird.



Deutschland wird in der ersten Hälfte der Teilnehmer am Samstag antreten, die übrigen Genannten im zweiten Teil, so hat es eine Auslosung bei den Pressekonferenzen ergeben. Gastgeber Israel hat seine Startnummer bereits gezogen, es wird die 14 sein.

Das Finale des ESC wird am Samstag, 18.5.19, um 21 Uhr MESZ ausgestrahlt und in Deutschland bei der ARD übertragen – Kommentator ist wie immer (und wie auch bei den Halbfinalrunden) Peter Urban. Meinen Tipp für die ersten fünf werde ich am Freitagvormittag veröffentlichen, wenn die genaue Startreihenfolge feststeht.

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Samstag, 11. Mai 2019
2. Halbfinale
1. Armenien

Seltsam – ich habe alle diesjährigen Wettbewerbslieder mehrmals gehört, aber ich kann mich beim besten Willen nicht an den armenischen Beitrag erinnern. Jetzt habe ich ihn noch einmal laufen lassen, und er ist mir einfach zu sperrig, deshalb will er sich nicht in meinem Kopf festsetzen. Zweifelsohne handelt es sich um eine gute Produktion, nur finde ich einfach keinen Zugang dazu. Die Bühne ist sehr dunkel gehalten, Srbuk steht allein in wenig vorteilhafter Kleidung dort, ich fürchte, sie wird es in diesem Halbfinale, das ich für wesentlich stärker besetzt halte als das erste, schwer haben.



2. Irland

Dieses Lied fand ich anfangs nichtssagend, inzwischen habe ich mich daran gewöhnt und mag es. Es ist – im positiven Sinn – ein durchschnittlicher Popsong, gesungen von einer guten Interpretin, und die Umsetzung im 50er-Jahre-Stil tut ihm gut. Leider fehlt ihm so etwas wie ein Höhepunkt, sodass er nach etwa zwei Minuten langweilig wird – auch hier gilt, dass die Konkurrenz vielleicht zu stark ist.



3. Moldau

Ich kenne den Komponisten, Georgios Kalpakidis, genannt Gorgi, seit gut anderthalb Jahrzehnten, und ich schätze ihn als sehr vermittelnden und weltoffenen Menschen. Er hat schon viele Lieder bei Eurovisionsvorentscheidungen in mehreren Ländern wie Litauen oder Portugal eingereicht, diesmal hat es endlich geklappt. Was soll ich sagen? Ich finde das Lied, sorry Gorgi, einfach nur langweilig. Und vielleicht ist das der Grund, warum mit Sandmalerei versucht wird, die Aufmerksamkeit vom Beitrag auf das Bühnenbild zu lenken, beim ukrainischen Lied 2011 hat genau das ja auch geklappt. Ich fürchte allerdings, diesmal hilft es nicht. Versuch es bitte weiter, Gorgi, ich bin sicher, wir sehen deine Lieder bald im Finale.



4. Schweiz

Die Schweiz hat es in den letzten 25 Jahren genau einmal geschafft, sich unter den ersten 10 zu platzieren, diesmal aber zählt sie zum engeren Favoritenkreis. Was ist passiert? Nun, die Schweizer haben einfach alles richtig gemacht. Luca Hänni hat 2012 als Teenager DSDS gewonnen und konnte seitdem einen Fankreis aufbauen. Er hat oft bewiesen, dass er nicht nur gut live singen, sondern auch tanzen kann. Gemeinsam mit seinen Begleitern stellt er eine Szene in einer lateinamerikanischen Bar da, dazu passt, dass das Lied an den 2017er Sommerhit „Despacito“ erinnert, auch ein paar orientalische Elemente wurden eingesprengt. Zur noch besseren Wiedererkennung wurden die Worte „Dirty dancing“ mehrfach in den Refrain eingepflegt. Ich denke, die Qualifikation für das Finale ist nur eine Formsache, vielleicht erreicht Luca (der auch Co-Autor ist) das beste Schweizer Ergebnis seit 1993 (damals war es Platz 3). Eins aber stört mich: Luca wirkt auf mich kein bisschen „rowdy-rowdy (Zitat aus dem Lied)“, ich würde ihm den Ziegenpeter auf der Alm eher abkaufen als den Latin Lover. Trotzdem: Daumen hoch, liebe Nachbarn!



5. Lettland

Wenn ich an einem lauen Frühlingstag auf der Terrasse vor einem Café sitze, einen Cappuccino trinke und dieses Lied höre, geht es mir gut – das ist perfekte Kaffeehausmusik. Dementsprechend wird es auch nicht aufdringlich, sondern im Gegenteil sehr zurückhaltend präsentiert, man fühlt sich an eine Barsängerin erinnert, die von einer Band begleitet wird. Ich fürchte allerdings, dass dieses Lied gegen die teilweise recht auffällige Konkurrenz untergehen wird – Hintergrundmusik eben. Schade.



6. Rumänien

Bin ich der Einzige, der beim Namen der Sängerin (Ester Peony) an den Osterhasen, also Easter Bunny, denkt? Egal, Rumänien hat sich nach einer skandalumwitterten Vorentscheidung, auf die ich hier nicht eingehen möchte, für einen Außenseiter entschieden. Positiv ist, dass das Lied „anders“ ist, der Rhythmus aus Triolen und großer Trommel setzt sich schnell im Gedächtnis fest. Die morbide Inszenierung ist Geschmackssache, auf mich wirkt Ester wie ein Zombie, vielleicht ist genau das auch ihre Absicht. Jedenfalls sticht der Beitrag aus der Masse heraus, und das ist kein Nachteil. Ich denke, er ist ein Wackelkandidat für das Finale.



7. Dänemark

Ein unschuldiges Mädchen sitzt mit ebenso brav aussehenden Begleitern auf einem viel zu großen Stuhl und lässt die Beine baumeln. Dazu singt sie ein biederes Kinderlied voller Plattitüden, in dem ein paar Worte Dänisch, Deutsch und Französisch versteckt sind. Das Ganze wird von einem Rhythmus begleitet, der an den 90er-Jahre-Hit „Lemon Tree“ erinnert. Nicht mein Ding, aber dieser Beitrag hat durchaus seine Anhänger, ich würde ihn daher nicht abschreiben.



8. Schweden

Ich gebe zu, dass ich eine Abneigung gegen Schweden beim ESC habe. Das Land wird immer dominanter, und die Beiträge wirken perfekt – und das meine ich negativ, im Sinne von steril. Umso überraschter bin ich, dass mir der diesjährige Beitrag wirklich gut gefällt. Der gospelartige Refrain wird mitreißend präsentiert, er wirkt fast hymnisch, und der Ruf „Hear me!“ bleibt im Ohr. Sollte Schweden wieder einmal einen Spitzenplatz belegen, wäre ich durchaus einverstanden. Natürlich hören wir dieses Lied im Finale.



9. Österreich

Es ist viele Jahre her, dass ein ESC-Kommentator zutreffend feststellte, dass die österreichischen Beiträge teils bemerkenswert, teils merkwürdig seien. In diesem Jahr trifft beides zu. Pænda wispert zeitweise mehr, als dass sie singt, und ihr gelingt das Kunststück, dass ihre Ballade gleichzeitig kraftvoll und zerbrechlich wirkt. Die Bühne ist voll auf sie fixiert, sie steht dort allein, aber es gelingt ihr, den Raum auszufüllen. Respekt! Allerdings glaube ich, dass sie nach den Schweden untergeht, ich kann mir nicht vorstellen, dass sie das Finale erreichen wird.



10. Kroatien

Roko hat eine sehr schöne Stimme, auch wenn er sie manchmal am Zeilenende etwas überdehnt, aber das kann auch nur mein Eindruck sein. Die Komposition und die Präsentation bewegen sich an der Grenze zum großen Kitsch, die Zuschauer werden vermutlich unterschiedlich entscheiden, in welche Richtung das Pendel ausschlägt. Mich erreicht das Lied nicht, was um alles in der Welt sollen diese Flügel, aber ich denke, eine Qualifikation ist nicht ausgeschlossen.



11. Malta

Eine temporeiche, zeitgemäße Nummer aus Malta – dass ich das noch erleben darf! Die Bühnenausstattung ist sehr bunt, passt aber zum Lied. Ich merke übrigens wieder einmal, dass ich alt bin, denn ich habe permament den 80er-Jahre-Hit „Karma Chameleon“ von Culture Club im Ohr. Aber das nur nebenbei. Eine gute Nummer, die nach zwei eher ruhigen Liedern auffällt, was sich positiv auf die Qualifikationschancen auswirken dürfte. Allerdings: Ich finde, Michela ist stimmlich nicht ganz auf der Höhe. Vielleicht ist das aber bei diesem Lied auch nicht so wichtig.





12. Litauen

Hier bemängle ich etwas, was ich später, nämlich bei den Niederlanden, positiv beurteilen werde: Mich stört der Wechsel zwischen Kopf- und Bruststimme, weil ich keinen Grund dafür sehe. So wirkt der Gesang auf mich unrund, insgesamt ist es eher klassischer Radiopop, der in dieser starken Konkurrenz vermutlich untergehen wird, auch optisch bleibt er nicht in Erinnerung. Keine Qualifikation.



13. Russland

Rückblende: 2006 belegte der in seiner Heimat sehr populäre Dima Bilan für Russland den zweiten Platz, zwei Jahre später kam er zurück, wurde von einem Stargeiger und einem Eiskunstlauf-Olympiasieger begleitet und gewann – viele Beobachter sind der Meinung, dass sein zweiter Beitrag der schwächere war. 2016 wurde Sergey Lazarev Dritter, die Zuschauerabstimmung gewann er sogar. Er war als Teenager Mitglied der Gruppe Smash und ist seither in vielen osteuropäischen Ländern ein Star. Hinter seinem neuen Lied steht das gleiche Team wie vor drei Jahren, u.a. mit Filip Kirkorov; diesmal entschieden sie sich für eine kraftvolle Ballade, die in jedes Andrew-Lloyd-Webber-Musical gut passen könnte. Bei der optischen Umsetzung wurde, wie vor drei Jahren, nichts dem Zufall überlassen, es wird geklotzt, nicht gekleckert. Die russischen Verantwortlichen sind aber Profi genug, um die Darbietung nicht überladen wirken zu lassen, sondern sehr beeindruckend und ansprechend. Objektiv ist dies ein Siegerkandidat, allerdings könnte hier die Politik eine Rolle spielen, ich hatte schon 2016 den Eindruck, dass die Jurys bewusst weniger Punkte vergaben, um einen ESC in Russland zu verhindern. Die Qualifikation fürs Finale ist aber absolut sicher.



14. Albanien

Alles richtig gemacht, liebe Albaner! Dieses Lied bringt Tempo und ethnische Einflüsse in genau dem richtigen Maß, das Leute, die hiervon keine Freunde sind, nicht abschreckt. Zudem hat Jonida eine sehr angenehme und kraftvolle Stimme, die gut mit dem Chor harmoniert, und auch die albanische Diaspora in vielen Ländern wird vermutlich helfen, das Lied ins Finale zu befördern.



15. Norwegen

Zwei Norweger trafen sich. „Ich war sehr enttäuscht, dass Finnland im letzten Jahr so schlecht abgeschnitten hat.“ „Ja stimmt, man müsste noch einmal einen Beitrag im Geist dieses Liedes einreichen.“ „Geist – Spirit – das wäre doch ein schöner Titel.“ „Ja, oder ‚Spirit in the sky‘?“ „Das gab es doch früher schon mal!“ „Egal, das kennt doch keiner mehr. Und hatten die Rednex nicht auch mal was mit Spirit?“ „Ja, das war ‚Spirit of the hawks‘, vielleicht wäre das ganz gut für den Stil und den Rhythmus.“ „Ein paar ethnische Einflüsse kommen auch gut – wie wäre es, wenn wir einen Joiksänger ein paar zusammenhanglose Worte knödeln lassen?“ „Perfekt, daraus basteln wir einen Beitrag. Ballermann Nordkap, wir kommen!“ Ich fürchte, dass es genügend Menschen gibt, die für dieses zusammengeflickte Machwerk stimmen, und dass Norwegen das Finale erreicht.



16. Niederlande

Perfekt – das ist meiner Meinung nach das passendste Wort für diesen Beitrag. In Umfragen und bei den Buchmachern liegt dieser Beitrag ganz vorn, völlig zurecht, wie ich finde. Duncan singt ein trauriges Lied über eine Liebe, die endet, bevor sie beginnen konnte, weil einer der Beteiligten verstirbt. Der Satz „Loving you is a losing game“ nimmt daher auch eine zentrale Position ein. Duncan singt traurig, verzweifelt, aber seine Stimme wird nicht brüchig, der Wechsel aus Kopf- und Bruststimme wirkt hier, anders als beim litauischen Lied, sehr stimmig, ich komme nicht aus dem Schwärmen heraus. Ich hoffe inständig, dass den Niederlanden der Favoritenstatus nicht zu Kopf steigt, und dass sie auch beim alles entscheidenden Auftritt alles geben – dann sind sie ein heißer Favorit auf den Gesamtsieg, den ersten für das Land seit 44 Jahren. Hat da wirklich jemand gefragt, ob sie sich fürs Finale qualifizieren?



17. Nordmazedonien

Bei diesem Lied stimmt alles. Das #metoo-Thema wird auf den Stolz fokussiert, und Tamara bringt dazu eine kraftvolle Ballade, dabei vergisst sie die eurovisionstypischen Steigerungen nicht. Die Frage bleibt aber, ob sich das Lied nach den Niederlanden behaupten kann. Die Startnummer ist gut, sodass ich vorsichtig optimistisch bin – zu wünschen wäre es diesem Team.



18. Aserbaidschan

Wie immer kauft man ein ausländisches (vorzugsweise schwedisches) Produkt ein und kombiniert es mit einem einheimischen Interpreten. Ich gebe zu, ich hatte dieses Lied im Vorfeld wenig auf Rechnung, mittlerweile hat es sich bei mir aber in den erweiterten Favoritenkreis gemausert – mein persönlicher Aufsteiger dieser Tage. Das Gesamtpaket stimmt, mal sehen, wie dieses Lied abschneidet. Ich sehe es in jedem Fall im Finale.



Mein Tipp für die Qualifikanten zum Finale (wieder in Startreihenfolge):

Schweiz
Dänemark
Schweden
Malta
Russland
Albanien
Norwegen
Niederlande
Nordmazedonien
Aserbaidschan

Das zweite Halbfinale findet am Donnerstag, 16.5., um 21 Uhr MESZ statt und wird in Deutschland von ONE übertragen.

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Freitag, 10. Mai 2019
1. Halbfinale
1. Zypern

Auf mich wirkt der zyprische Beitrag wie eine Kopie des letztjährigen Liedes, sozusagen ein „Replay“, und so ist ja auch der Titel. Das gilt nicht nur für die Musik, sondern auch für den Auftritt, wieder wird die Sängerin von jeweils zwei Begleitern links und rechts begleitet, diesmal sind es Männer, im Vorjahr waren es Frauen.. Meinen Geschmack hat Zypern – wie schon im Vorjahr – nicht getroffen, da sie aber 2018 mit Platz 2 das bisher beste Ergebnis ihrer Eurovisionskarriere erzielt haben, ist es sicher nicht verwerflich, das Konzept noch einmal anzuwenden. Ich gehe daher sicher davon aus, dass sich das Land für das Finale qualifiziert.



2. Montenegro

Sechs Künstler verschiedenen Geschlechts singen ein Lied mittleren Tempos über belanglose Allgemeinplätze – hier zeigt sich, dass „nett“ beim ESC ein vernichtendes Urteil ist, dieses Lied tut niemandem weh, motiviert aber auch niemanden, dafür zu stimmen. Die Verantwortlichen in Montenegro haben, als ihnen die schlechten Urteile bekannt wurden, noch ein paar ethnische Elemente eingestreut, was allerdings nur dazu führte, dass das Gesamtwerk jetzt weniger rund wirkt. Warum fühle ich mich an eine Musical-Aufführung in einer Schulaula erinnert? Keine Qualifikation.



3. Finnland

Darude hatte vor etwa zehn Jahren mit „Sandstorm“ einen internationalen Hit, danach verlor man ihn außerhalb seiner Heimat aus den Augen. Jetzt meldet er sich zurück und hat einen Sänger für sein Werk gefunden. Diese Kombination – ein DJ betätigt ein paar nutzlose Knöpfe, während ein anderer Protagonist singt – hatten wir in den letzten Jahren schon mehrfach, meist mit überschaubarem Erfolg. Das Lied wirkt wie Radiopop aus den 1990ern, es kommt einfach zu spät. Es geht ins Ohr, aber auch gleich wieder hinaus, da nützt auch die Tänzerin nichts.



4. Polen

Vier Mädchen werden in Trachten gesteckt, und mithilfe von Helium hält man sie ruhig, sodass sie sich kaum bewegen und keine Mimik zeigen. Der Einsatz der Gases erklärt auch die unnatürlichen Stimmen. Ich mag ethnische Beiträge, aber dieses Lied ist nicht mein Ding, zudem wirkt die Aufführung sehr statisch. Es findet aber sicher seine Liebhaber, sodass es sich für das Finale qualifizieren wird.





5. Slowenien

Im Gegensatz zum finnischen Beitrag hat der DJ hier offenbar eine Aufgabe, nämlich, seine Begleiterin zu beruhigen (und zudem betätigt er auch noch sein Saiteninstrument). Diese wirkt fast autistisch und singt mit sehr ruhiger und monotoner Stimme zu einem elektronischen Brett, das sphärisch ins Ohr wabert. Vielleicht klingt meine Beschreibung negativ, sie ist aber im Gegenteil sehr positiv gemeint. Das Lied hat allein schon musikalisch ein Alleinstellungsmerkmal, dazu kommt, dass das Verhältnis der beiden Künstler rätselhaft anmutet, vor allem Zala wirkt wie hypnotisiert. Auf der Bühne passiert praktisch nichts, und genau das ist ein Kontrast zu den optischen Explosionen bei anderen Ländern. In jedem Fall bleibt dieses Lied in Erinnerung, ich sehe es sicher im Finale.




6. Tschechien

Seit ich dieses Lied zum ersten Mal gehört habe, hat es sich in meinem Ohr festgesetzt. Ein wenig muss ich an Jamiroquai denken. Easy-Listening-Pop, leicht und flockig von einem Sänger präsentiert, der wie ein Oberschüler wirkt, tatsächlich aber schon einige Jahre älter ist. Seine beiden Begleiter und er sind eher einfach in schlichten Farben gekleidet, dieser Beitrag versucht erst gar nicht, einen tieferen Sinn oder großen Anspruch vorzutäuschen, und gerade dadurch wirkt er auf mich sehr glaubwürdig. Persönlich kann ich sagen, dass ich dieses Lied und auch seinen Auftritt liebe, allerdings habe ich kleine Zweifel, ob er auffällig genug präsentiert wird. Trotzdem, wenn ich mir das Ganze professionell anzuhören versuche, bin ich von einer Qualifikation fürs Finale überzeugt.



7. Ungarn

Das ist ein ethnischer Beitrag, wie er mir gefällt. Joci hat sein Land schon einmal vor zwei Jahren vertreten und schnitt passabel ab, ich glaube, das wird ihm auch diesmal gelingen, auch wenn sein Lied weniger eingängig ist als beim letzten Mal. Ich denke, dies ist ein sicherer Qualifikant fürs Finale.



8. Weißrussland

Ich werde, nein, ich bin alt. Ich kann mit dieser Art von Musik überhaupt nichts anfangen, was natürlich gegen mich und nicht notwendigerweise gegen das Lied spricht. Ich sehe einen Teenager, der unbeholfene Bewegungen macht und zusammenhanglosen Blödsinn von sich gibt, das ganze unterlegt von einem künstlichen Rhythmus. Ich bin mir sicher, dass dieser Beitrag seine Anhänger hat, vielleicht wäre ich auch einer, wäre ich jünger. Ich weiß aber nicht, ob diese zur Zielgruppe der Veranstaltung gehören. Ich tendiere also dazu, dass wir Weißrussland im Finale nicht wiedersehen.



9. Serbien

Da ist es also – in jedem Jahr gibt es eine Frau vom Balkan, die sich klagend die Seele aus dem Leib schreit, diesmal kommt sie also aus Serbien. Diese Art von Musik höre ich genau einmal jährlich, ich weiß, dass sie im Südosten Europas viele Anhänger hat. Der Beitrag ist gut und professionell produziert, Nevena wirkt glaubhaft, ich denke, es wird für die Qualifikation reichen.



10. Belgien

In Belgien wählt immer abwechselnd das flämisch- oder das französischsprachige Fernsehen den Beitrag aus; diesmal sind wieder die Wallonen an der Reihe. Vor vier und vor zwei Jahren erreichten sie mit ihren exzellenten Liedern jeweils die Top 5, dementsprechend hoch waren meine Erwartungen. Ich bin ein bisschen enttäuscht, mir fehlen das letzte Quäntchen Eingängigkeit der Melodie und Charisma des Interpreten. Allerdings klage ich hier auf sehr hohem Niveau, der belgische Beitrag gehört deutlich zu den besseren des Jahrgangs, die Qualifikation dürfte eigentlich kein Problem sein. Ein weiterer Kritikpunkt ist allerdings die optische Umsetzung. Was haben diese merkwürdigen Kostüme und die Trommeln mit diesem Lied zu tun? Stört die Optik mehr als dass sie hilft? Für mich deshalb ein Wackelkandidat



11. Georgien

Ein Druide mischt ein paar Zaubertränke und beschwört mit magischen Formeln die Geister – das sind die Assoziationen, die ich bei diesem Lied habe. Ich bewundere den Mut und die Kreativität Georgiens, schon mehrfach haben wir sehr außergewöhnliche Lieder aus diesem Land gehört, so auch diesmal. Ich bezweifle aber, dass es genügend Menschen gibt, die sich für diese Klänge begeistern können, eine Qualifikation halte ich daher für fast ausgeschlossen.



12. Australien

Dieser Beitrag lässt mich ratlos zurück. Was bitteschön ist das? Ist es Crossover – was soll dann die groteske Kostümierung? Oder ist das Comedy? Wie auch immer, mich erreicht es nicht, und ich denke, den meisten Zuschauern wird es ähnlich gehen. Ich glaube nicht an einen Auftritt im Finale.



13. Island

Gleich vorweg: Ich habe eine abgrundtiefe Aversion gegen diesen Beitrag. Zum einen ist da die Musik, die mich überhaupt nicht anspricht. Martialisches Gegröle wie bei Rammstein wird mit 90er-Jahre-Klängen gemischt, von denen ich gehofft hatte, dass sie für immer vergessen sind. Das ist mein persönlicher Geschmack, der natürlich überhaupt nicht maßgebend ist. Hinzu kommen aber Äußerungen der Band, die mich besorgt aufhorchen lassen. Sie lehnen die israelische Politik ab (das ist natürlich ihr gutes Recht) und wollen die Plattform für Proteste nutzen, was ich sehr bedenklich finde. Die Palästinenser haben im Rahmen der jüngsten Konflikte angekündigt, den ESC stören zu wollen, die Sicherheitskräfte sind also bereits mehr als genug ausgelastet. Zusätzlich Unruhe stiften zu wollen, halte ich für grob fahrlässig. Vor genau 50 Jahren protestierte Österreich gegen das damalige Regime in Spanien und boykottierte daher den Wettbewerb in Madrid. Diese Weisheit hätte ich mir auch von den Isländern gewünscht. Dieser Beitrag polarisiert wie kaum ein anderer, ich denke, er wird sich für das Finale qualifizieren.



14. Estland

Wie die finnischen Nachbarn präsentieren auch die Esten klassischen Radiopop, der niemandem wehtut. Der Sänger ist Schwede, und das merkt man auch – professionelle Musik ohne Ecken und Kanten kommt meist von dort. Ich möchte beim ESC Musik hören, mit der ich nicht jeden Tag aus dem Radio beschallt werde; allerdings ist das Lied gut gemacht. Eine Qualifikation dürfte aber schwierig sein, zu verwechselbar ist der Beitrag. Und nebenbei: Täusche ich mich, oder höre ich bei den hohen Tönen im Refrain einen starken Chor und einen schwachen Victor?



15. Portugal

An der Volkshochschule Lissabon haben sich die Kurse „Ausdruckstanz für Epileptiker“, „Asynchrone Klänge“ und „Ungewöhnlicher Schmuck“ zusammengetan, um einen ESC-Beitrag zu kreieren, der in jedem Fall einen Sieg verhindern soll, schließlich war man erst im letzten Jahr Gastgeber. So stelle ich mir die Entstehung dieses Beitrags vor. Welche Drogen muss man nehmen, um sich so zu präsentieren? Dieses Lied liegt weit außerhalb meines Musikkonsums, ich kann mir beim besten Willen kein Urteil darüber erlauben. Ist das Kunst oder kann das weg? Allerdings sehe ich, dass es durchaus seine Anhänger hat, ich denke also, eine Qualifikation dürfte möglich sein. Auch hier gilt, dass es polarisierende Lieder beim ESC einfacher haben als durchschnittliche.



16. Griechenland

Respekt, liebe Griechen. Ihr habt mit es mit Bravour geschafft, konventionelle und eingängige Musik mit außergewöhnlichen Elementen zu kombinieren – allein die Stimme der Sängerin ist so besonders, dass sie aufhorchen lässt. Die gute Startnummer und die Nachbarschaftspunkte aus Zypern lassen die Qualifikation fürs Finale zur Formsache werden. Die Bühnenshow ist sehr angenehm, insgesamt ist mein Gesamteindruck zu diesem Lied sehr positiv.



17. San Marino

Serhat wurde wie ich 1964 geboren, er wuchs als Teenager auch mit den Klängen des Disco-Sounds auf, und offenbar hat das bei uns beiden bleibende Folgen hinterlassen. Wenn ich den sanmarinesischen Beitrag höre, fühle ich mich sofort 40 Jahre jünger, ich sehe Lichtorgeln und Discokugeln, und mein gesamter Körper wippt im Rhythmus eines mitreißenden Liedes mit völlig belanglosem Text, der dafür sorgt, dass ich permanent „Say Na Na Na“ vor mich hinsinge. Mein „Guilty Pleasure“ dieses Jahr, ein Lied, das ich ganz unabhängig von seinem Abschneiden noch oft hören werde. Ein bisschen Wunschdenken ist dabei, aber ich denke, dieses Gute-Laune-Feuerwerk am Ende des Abends könnte die Juroren und die Zuschauer bewegen, diesen Beitrag ins Finale zu wählen.



Hier ist meine Prognose – ich denke, diese Länder qualifizieren sich für das Finale am Samstag (in Reihenfolge des Auftritts):

Zypern
Polen
Slowenien
Tschechien
Ungarn
Serbien
Island
Portugal
Griechenland
San Marino

Das Halbfinale findet am Dienstag, 14.5.19, um 21 Uhr MESZ statt, in Deutschland ist es u.a. auf ONE übertragen.

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Sonntag, 5. Mai 2019
Eurovision Song Contest 2019
In den folgenden Tagen werde ich, zeitnah zu den jeweiligen Ereignissen, meine Einschätzungen zu den Liedern des diesjährigen ESC nennen. Zu jedem Lied sage ich meine persönliche Meinung und meine Prognose, was das Ergebnis im Wettbewerb angeht - das muss nicht übereinstimmen. Gerade für letztere Einschätzung ziehe ich auch die Bilder von den Einzelproben in Tel Aviv, die bereits begonnen haben, heran, sodass ich meine Einträge relativ kurz vor den Halbfinal- bzw. Finalrunden veröffentliche. Und danach erkläre ich natürlich auch, warum ich so weit daneben gelegen habe :-)

Hier sind zur Einstimmung Schnelldurchläufe der Lieder, die an den Semifinals teilnehmen:



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