Sonntag, 23. Mai 2021
Nach dem Finale 2021
Wieder einmal ist ein ESC Geschichte, und ich muss sagen, ich habe mich gut unterhalten - und fast so gut getippt wie vor zwei Jahren. Zwar lag ich beim Sieger falsch, aber vier meiner Top 5 haben im tatsächlichen Ergebnis nur einen Platz besser oder schlechter abgeschnitten als von mir vorausgesagt, das gilt auch für den deutschen Beitrag. Lediglich Litauen beendete den Wettbewerb drei Plätze schlechter als von mir prognostiziert, dafür war Gjon aus der Schweiz vier Ränge besser, was mich sehr freut - ich mochte das Lied und die Stimme immer, hatte aber befürchtet, dass die - nennen wir es - experimentelle Darbietung Punkte kosten könnte.

Zwar fand ich wieder, wie mehrmals in den letzten Jahren, dass vier Moderatoren einfach zu viel sind, insgesamt möchte ich dem niederländischen Fernsehen aber ein großes Lob für die Organisation aussprechen. Der ESC hat gezeigt, dass auch in Corona-Zeiten Großveranstaltungen möglich sind, die Anzahl der positiven Tests war verschwindend gering, dass es hierbei auch Akteure traf, ist bedauerlich, ändert aber am Gesamteindruck nichts. Und auch hier Respekt für die Niederländer, die alle kurzfristigen Programmänderungen souverän gemeistert haben.

Zwei 'Big 5'-Länder auf Platz 1 und 2 - das hatten wir seit Einführung dieser Regel noch nicht, die übrigen drei auf den hinteren Tabellenplätzen - das hingegen ist nichts Neues. (Neu ist allerdings, dass gleich vier Lieder keinen einzigen Punkt vom Televoting bekamen.) Mein herzlicher Glückwunsch geht nach Italien, und nach Frankreich möchte ich ein genauso herzliches Dankeschön senden - ich mochte das Lied immer, aber im Finale kam es mir so vor, als legte Barbara ihre gesamte Seele dem Publikum zu Füßen. Ich verfolge den ESC seit 50 Jahren, aber ich glaube, so sehr hat mich noch kein Beitrag bewegt.

Stimmliche Probleme habe ich bei den Beiträgen aus Zypern und dem Vereinigten Königreich gehört - letzterer wurde mit 0 Punkten abgestraft, und bevor entsprechende Mutmaßungen laut werden: Nein, es lag weder am Brexit noch am Impfneid, die Darbietung war einfach grottenschlecht.

Wegen der optischen Tricks wird der griechische Beitrag gelegentlich mit dem russischen Lied 2016 verglichen, aber gegen die faszinierende Darbietung von Sergej Lazarev wirkte Stefanias Show zu vorhersehbar, zudem waren gelegentlich Schatten zu sehen, was die optische Illusion zusätzlich störte. So ist Platz 10 noch ein recht tröstliches Ergebnis.

Das kann man San Marino nicht bescheinigen, auch US-Star Flo Rida sorgte nicht für die erhofften Punkte. Dass das Lied so schlecht abschneidet (Platz 22), hätte ich nicht erwartet - eine weitere meiner Prognosen, die ich hier nicht veröffentlicht habe, nämlich, dass San Marino und Litauen das beste Ergebnis ihrer ESC-Geschichte erzielen, bewahrheitete sich somit nicht.

Übrigens wurde nur eines der Top 5-Lieder auf Englisch gesungen, vielleicht denken die Verantwortlichen in den DACH-Ländern darüber nach, mal wieder einen Beitrag auf Deutsch zu entsenden.

Mich hat das Wiedersehen mit früheren ESC-Siegern sehr gefreut, schön, dass man ihnen noch einmal eine so große Bühne gegeben hat.

1965 fand der ESC in Neapel statt, 1991 in der Cinecittà bei Rom, bald werden wir erfahren, welche italienische Stadt der Austragungsort 2022 sein wird. Bis dahin werde ich noch oft den dänischen Beitrag in Endlosschleife hören und mich mit dem Werk von Barbara Pravi beschäftigen - ansonsten gilt: Nach dem ESC ist vor dem ESC (selbst wenn es zwei Jahre dauert). Arrivederci!

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Samstag, 22. Mai 2021
Tipp fürs Finale 2021
Wer gewinnt den ESC 2021? In diesem Jahr bin ich ratloser als sonst, ich habe keinen eindeutigen Favoriten, sondern sehe ein kleines Grüppchen, dem ich Platz 1 zutraue, aber auch eine nicht zu unterschätzende Verfolgergruppe.

Ich möchte mit einer Grundüberlegung beginnen - ich glaube, dass die Zuschauer (und auch die Juroren) nach all den Pandemiemonaten ein eher positives, tanzbares und optimistisches Lied hören wollen (übrigens auch ein Grund, warum ich Dänemark in den engsten Kreis... aber lassen wir das).

Ich sehe die Auftrittsreihenfolge nicht als allein ausschlaggebend an, kenne aber natürlich die Statistiken, die der zweiten Hälfte und insbesondere den Liedern um Startplatz 20 herum bessere Chancen bescheinigen. Hinzu kommt, dass in diesem Jahr viele Favoriten relativ spät auftreten, sodass es für die Teilnehmer, die eher früh an der Reihe sind, noch schwerer werden könnte.

Die Künstler haben nur per Los ermittelt, ob sie in der ersten oder in der zweiten Hälfte auftreten, die genaue Reihenfolge wurde von den Veranstaltern festgelegt, wie es heißt, nach dramaturgischen Gesichtspunkten. Ich sehe, dass die beiden Energiebündel aus Russland und Malta direkt hintereinander an der Reihe sind, danach das seichte Quäken aus Portugal, und danach die Partyexpertinnen aus Serbien - ich denke, dass das insbesondere ein Nachteil für die Portugiesen ist, die vielleicht zwischen den temporeichen Liedern blass wirken könnten. Auch sprechen Russland und Malta m.E. ein ähnliches Publikum an, könnten also direkte Konkurrenten um die Stimmen an. Das Ganze passiert aber zwischen Startplatz 5 und 8 und wird daher vermutlich mit dem Kampf um die Spitze sowieso nicht viel zu tun haben.

Ich habe vor den Proben gedacht, dass sich der Schweizer Beitrag von jeder Position aus behaupten kann und zum engsten Favoritenkreis gehört. Gjon ist gesanglich eine Klasse für sich, aber ich glaube, dass sein Auftritt zwischen Griechenland (interessante optische Effekte) und Island (Mitleidsbonus wegen Corona) nicht hilfreich ist. Gleiches gilt für die Ballade aus Bulgarien zwischen den lauten Finnen und der perfekten Choreographie aus Litauen.

Ich habe den aussichtsreichen Startplatz 20 erwähnt, und als Nummer 18 bis 20 starten Litauen, die Ukraine und Frankreich - drei Lieder aus dem zumindest erweiterten Favoritenkreis. Wird das ein Gemetzel, bei dem sich die Beiträge gegenseitig die Punkte stehlen? Ich glaube es nicht, dafür sind die Auftritte zu verschieden.

Meiner Ansicht nach ist es eher ein Nachteil, ganz am Ende zu starten, allerdings tritt dort für San Marino Weltstar Flo Rida auf, was vor allem bei den Zuschauern noch einmal für einen Aha-Effekt sorgen könnte - und die Quasi-Landsleute aus Italien lagen schon vorher in den Wettquoten ganz vorn, für sie ist Startplatz 24 sicher ein Vorteil. Ich fürchte übrigens, dass der schwedische Beitrag dazwischen eher untergehen wird.

Hier ist der gesamte Überblick:



Wenn ich all diese Überlegungen zusammennehme und versuche, daraus die Top 5 zu erstellen, bin ich wieder genauso ratlos wie vorher. In solchen Momenten verlasse ich mich auf mein Bauchgefühl, auch wenn es mich im Fall Dänemark im Stich gelassen... aber lassen wir das.

Frankreich war in dieser Saison eines der ersten Länder, die ihren Beitrag ermittelt haben, und ich war vom ersten Hören an verliebt - ein zeitloses Chanson, meisterhaft interpretiert, meine Befürchtung war nur, dass hier mein sehr frankophiler persönlicher Geschmack zu sehr ins Gewicht fällt. Egal, ich wage es - hier sind meine Top 5:

1. Frankreich
2. Italien
3. Island
4. Ukraine
5. Litauen

Was die verbleibenden DACH-Länder angeht - Österreich ist ja leider schon ausgeschieden - hat die Schweiz, wie bereits erwähnt, ihren direkten Favoritenstatus verloren, ich sehe für Gjon so etwas wie Rang 7. Und Deutschland - ja, ich war eine Zeitlang verhalten optimistisch, ich sehe Jendrik aber auf Startplatz 15 zwischen Dancefloor aus Moldau und Hardrock aus Finnland, ich glaube, in dieser Position wird das Lied noch mehr als Kindergeburtstagsunterhaltung wahrgenommen, und wieder einmal konkurriert Deutschland um den Tabellenkeller - ich sage Platz 24 voraus.

In meinem Fazit nach dem Finale lege ich dann dar, warum alles ganz anders kam. Bis dahin wünsche ich gute Unterhaltung - hier ist zur Überbrückung ein Lied aus dem schon langjährigen Wirken von Moderator Jan Smit aus der Zeit, als er sich noch Jantje nannte.


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Donnerstag, 20. Mai 2021
Nach dem zweiten Halbfinale 2021
Bevor ich mit dem Halbfinalergebnis beginne, möchte ich gern ausdrücken, wie unendlich leid es mir tut, dass das isländische Team aufgrund eines Coronafalls in der Band nicht auftreten konnte - ich selbst war vor 15 Jahren Teil einer Delegation, ich weiß daher, wie viel Arbeit in der Vorbereitung steckt, und wie sehr man diesem großen Moment entgegenfiebert - umso größer muss die Enttäuschung sein, wenn diese Seifenblase im letzten Moment platzt.

8/10 - ausbaufähig, würde ich sagen. Ich gestehe, als ich Tschechien nominierte, war der Wunsch der Vater des Gedankens, ich finde einfach, dass Benny eine sehr sympathische Ausstrahlung hat. Das Ausscheiden Dänemarks hingegen hat mich entsetzt, ich liebe die Atmosphäre, die dieses Lied ausstrahlt. Es ist keine Parodie, es ist keine Nostalgie, es ist original das Gefühl, das wir (also meine Generation) in den 1980ern hatten. Mein erster Erklärungsversuch ist, dass viele Zuschauer und wohl auch Juroren zu jung sind, um das nachvollziehen zu können.

Bulgarien und Portugal sehen wir im Finale wieder, mit einem Blick auf die Wettquoten hätte ich es vorher gewusst, aber ich wollte es nicht wahrhaben - ich mag beide Lieder (und vor allem die Stimmen) nach wie vor nicht.

Ich habe ein paar emotionale Momente gesehen, die mich sehr gefreut und auch gerührt haben. Senhit aus San Marino war sichtlich stolz, mit dem Weltstar Flo Rida gemeinsam vor hunderten von Millionen Zuschauern aufzutreten, und Vincent aus Österreich war am Ende seines Liedes sichtlich bewegt, schade, dass es für ihn nicht gereicht hat - auch wenn ich es genauso prognostiziert habe, tut es mir für ihn persönlich leid. Polen war eine Katastrophe, Georgien war unterirdisch, aber - Schwamm drüber.

Die 26 Finalisten stehen fest, und meine Voraussagen ändern sich fast minütlich. Ich denke, ich werde meinen Tipp erst im Laufe des Samstags abgeben. Bis dahin sende ich eurovisionale Grüße.

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Dienstag, 18. Mai 2021
Nach dem ersten Halbfinale 2021
9/10 - ich bin zufrieden. Mit der Qualifikation Norwegens habe ich, trotz respektabler Wettquoten, nicht gerechnet, Tix' stimmliche Leistung fand ich eher mäßig - das gilt aber leider auch für Kroatiens Präsentation, das Land, das ich getippt hatte, ist, denke ich, verdient ausgeschieden.

Beim 'Juryfinale' am Montag mussten bereits einige Lieder aufgrund technischer Probleme wiederholt werden, und auch bei der Live-Show fand ich einige Beiträge, insbesondere den irischen, akustisch erschreckend schwach. Allerdings kann das auch an Lesleys Kondition gelegen haben, bereits in den Proben wurde darüber ja bereits berichtet. Im Gegensatz dazu lieferten insbesondere Kateryna aus der Ukraine und Eden aus Israel hervorragende Gesangsleistungen ab, und die Litauer boten wie immer eine perfekte Darbietung - alle drei sehen wir im Finale wieder, genau wie ihre belgischen Kollegen, was mich besonders freut.

Bei den Liedern aus Slowenien und Nordmazedonien fiel mir auf, dass es einfach nicht wirkt, wenn ein bombastischer Chor zu hören, aber nicht zu sehen ist, und die Gefahr besteht, dass die eigentlichen Protagonisten an die Wand gesungen werden. Ana aus Slowenien machte noch dazu den Fehler, bei einer Ballade auf einer Art Catwalk das nicht vorhandene Publikum zum Mitklatschen und -jubeln zu animieren - ich war wohl nicht der Einzige, der an dieser Stelle 'Was soll das?' dachte.

Schön fand ich es, einige ehemalige Sieger wiederzusehen, insbesondere die, deren Triumph schon etwas länger zurückliegt. Lenny Kuhr verriet, dass sie erst 19 war, als sie 1969 gewann - wenn mich meine mathematischen Kenntnisse nicht trügen, müsste sie jetzt 71 Jahre alt sein, oder? Sie hat sich gut gehalten!

Erwähnenswert ist, dass Flo Rida inzwischen in Rotterdam eingetroffen ist und somit Senhit beim Beitrag San Marinos tatsächlich unterstützen wird - wir sehen die beiden und 16 ihrer Mitbewerbern im zweiten Halbfinale. Mal sehen, wie hoch meine Trefferquote dann ist. Bis dahin ein herzliches 'Tot ziens'!

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Samstag, 15. Mai 2021
2021: Finalisten
Wie in jedem Jahr sind der Gastgeber und die fünf größten Beitragszahler, die 'Big 5', fest für das Finale gesetzt, müssen sich also nicht erst dafür qualifizieren. Die Startnummer des Gastgebers wurde ausgelost, die anderen Teilnehmer erfahren erst nach Abschluss der Halbfinalrunden, wann genau sie ihre Beiträge vortragen dürfen.

23. Niederlande: Jeangu Macrooy "Birth of a new age"

Wie schon beim Lied aus Tschechien verstehe ich auch beim niederländischen Beitrag nicht, warum er in den Umfragen so schlecht abschneidet. Ich höre ein schönes Lied, das von Gospel und von karibischen Klängen beeinflusst ist, ich mag Jeangus warme Stimme und freue mich, mit Sranantongo, das in Jeangus Heimat Suriname gesprochen wird, wieder einmal eine neue Sprache beim ESC zu hören, zumal eine, von deren Existenz ich vorher nichts wusste. Für eine Spitzenplatzierung ist der Melodieaufbau vielleicht etwas zu komplex und zu wenig eingängig, aber ich denke, dass das Lied mehr Punkte bekommen wird als viele denken.



Probenfazit: Ich denke, hier zeigen die Niederlande eine runde und gelungene Darbietung, mit der sie einerseits einen erneuten Sieg und andererseits eine Blamage verhindern.

Deutschland: Jendrik "I don't feel hate"

Ich bin hin- und hergerissen. Ich freue mich, dass aus Deutschland in diesem Jahr keine weichgespülte Allerweltsnummer kommt, und ich finde, dass Jendrik, der auch Ko-Autor des Liedes ist, eine sehr sympathische Ausstrahlung hat. Dass die Kombination aus einem gesellschaftskritischen Thema und Comedy funktioniert, haben wir beim österreichischen Lied 2003 gesehen, als Alf Poier überraschend auf Platz 6 kam. Jetzt kommt mein 'aber': Ich fürchte, dass Jendrik zu sehr in Richtung Klamauk abrutscht, und dass der Beitrag eher wie Begleitmusik zum Kindergeburtstag wahrgenommen werden könnte, wodurch die (wichtige!) Botschaft in den Hintergrund rücken könnte. Die Art des Auftritts wird bei diesem Lied entscheidender sein als bei allen anderen. Eine Einschätzung wage ich daher erst, wenn nähere Einzelheiten bekannt sind. Übrigens habe ich das Lied noch kein einziges Mal im Radio gehört.



Probenfazit: Ich bin positiv überrascht, der Auftritt wirkt fröhlich, aber nicht albern, und Jendrik versprüht gute Laune wie kaum ein anderer seiner Mitbewerber. Auch hier gilt, was ich für die Niederlands sagte: Keine Spitzenplatzierung, aber auch weit entfernt vom Tabellenkeller. Allerdings: Höre nur ich ein paar stimmliche Probleme? Unabhängig vom Abschneiden wünsche ich Jendrik von Herzen alles Gute, mir gefällt seine offene und ungekünstelte Art sehr.

Frankreich: Barbara Pravi "Voilà"

Barbara präsentiert ein klassisches Chanson und knüpft damit nahtlos an die Tradition an, die viele Legenden vor ihr aufgebaut haben - mich erinnert das Lied beispielsweise an "Padam, padam" von Édith Piaf. Ich hoffe, dass die Juroren und die Zuschauer die Klasse und die Qualität sowohl vom Lied als auch von der Sängerin sehen und diesem Lied viele Punkte geben. Besonders gut gefällt mir die Tempobeschleunigung zum Schluss, wodurch ein weiterer Spannungsbogen kreiert wird. Ein rundum gelungener Beitrag.



Probenfazit: Ich habe mir Vergleiche mit historischen Vorbildern und Superlative verboten, daher nur: Alles richtig gemacht, liebe Franzosen. Besonders gefällt mir die eher zurückgenommene Präsentation, die den Fokus auf die Sängerin und das Lied lenkt, aber trotzdem nicht langweilig wirkt.

Italien: Måneskin "Zitti e buoni"

Vor 50 Jahren hätte man die Kombination aus Kleidung und Rockmusik, die Måneskin (das Wort kommt übrigens aus dem Dänischen und bedeutet 'Mondschein') hier präsentieren, wohl als 'Glamrock' bezeichnet, und die italienische Sprache wirkt hier sehr charmant und fällt aus der Reihe - 'zitti e buoni', also leise und brav kommt das Lied ganz und gar nicht daher, und das ist auch gut so, es setzt Akzente und bleibt in Erinnerung. Italien schafft es immer wieder, mit außergewöhnlichen Beiträgen aufzufallen.



Probenfazit: Italien hat sich in den letzten Tagen zu einem der Mitfavoriten entwickelt, was ich als durchaus realistisch empfinde. Måneskin nutzen die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel perfekt aus. Sicher ist der Auftritt nicht jedermanns Geschmack, aber ich denke, den Geschmack derer, die diese Art von Musik mögen, treffen die Italiener dafür um so mehr, die Inszenierung ist sehr gut.

Spanien: Blas Cantó "Voy a quedarme"

Ich kenne Blas seit der Zeit, als er noch Mitglied der Gruppe Auryn war, und verfolge seine Karriere seitdem. Ich mag seine Stimme, und auch die gefühlvolle Art, wie er dieses Lied vorträgt, gefällt mir. Allerdings fürchte ich, dass das Lied in der Konkurrenz zu blass wirken könnte und deshalb untergeht. Mein Optimismus hält sich daher trotz aller Sympathie in Grenzen.



Probenfazit: Du musst tapfer sein, lieber Blas, aber das wird nichts. Wenn es dich tröstet: Ich werde deine Karriere weiterhin und durchaus wohlwollend verfolgen.

Vereinigtes Königreich: James Newman "Embers"

Eine eingängige Nummer, die sofort in die Beine geht, perfekt vorgetragen - eigentlich ein perfektes ESC-Lied, das sehr gut abschneiden kann. Eigentlich - denn irgendetwas stört mich, und ich kann gar nicht genau sagen, was. Ich würde mich sehr freuen, wenn das Vereinigte Königreich wieder einmal gut beim ESC abschneidet, und selten waren in den letzten 20 Jahren die Chancen besser, wenn da nicht - ja, was eigentlich?



Probenfazit: Ich bleibe ratlos. Ich würde James eine gute Platzierung gönnen, ich mag das Lied wirklich und es gehört zu den Gute-Laune-Beiträgen in diesem Jahr, denen ich eigentlich eine gute Chance voraussage. Aber ohne einen konkreten Grund sagen zu können, fürchte ich, dass das Vereinigte Königreich wieder einmal einen der letzten Plätze belegt.

Damit sind die Einzelproben beendet, es folgen die beiden Halbfinalrunden und das Finale, jede dieser Shows hat drei Komplettproben, von denen jeweils die zweite die Ausgabe ist, bei der die Jurys ihre Punkte vergeben. Glücklicherweise konnten alle Delegationen mit Ausnahme der australischen live vor Ort auftreten, hoffentlich bleibt es so bis zum großen Abend. Hierzu eine gute Nachricht: Auch Kateryna aus der Ukraine ist wieder genesen.

Das Finale wird am Samstag, 22.5.21, um 21.00 Uhr im Ersten (ARD) und wie immer im Internet übertragen. Que le meilleur gagne - möge der Beste gewinnen.

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Freitag, 14. Mai 2021
Zweites Halbfinale 2021
1. San Marino: Senhit feat. Flo Rida "Adrenalina"

Vor 10 Jahren vertrat Senit San Marino schon einmal, sie verbreitete gepflegte Langeweile, ihr Lied wurde zwar wohlwollend zur Kenntnis genommen, regte aber nicht zur Punktvergabe an und schied folgerichtig im Halbfinale aus. Inzwischen hat sie nicht nur ein 'h' dazubekommen, sondern ist offenbar auch musikalisch gereift. Beeindruckende zehn Namen, darunter auch den der Sängerin selbst, sehe ich bei den Autoren, und als Gaststar konnte sie den US-amerikanischen Rapper Flo Rida gewinnen, der vor ein paar Jahren auch in Deutschland recht erfolgreich war (ältere Leser werden sich vielleicht erinnern). Hier zeigt sich der Vorteil der Ausnahmeregel, nach der in diesem Jahr Stimmen auch per Halbplayback zugeschaltet werden können; Senhit bestätigte, dass Flo Rida in jedem Fall zu hören sein wird, auch wenn er u.U. aufgrund der Corona-Beschränkungen nicht persönlich vor Ort sein kann. Das Ergebnis ist ein durch und durch professionell produziertes tanzflächentaugliches Lied, und meine zwei Prognosen sind nicht allzu gewagt: San Marino wird sich für das Finale qualifizieren und 2021 sein bisher bestes Ergebnis erzielen.



Probenfazit: Flo Rida ist (noch) nicht in Rotterdam anwesend, aber der ganze Auftritt ist auf ihn zugeschnitten. Offenbar vertraut man seiner Prominenz mehr als Senhits Können. Warten wir es ab - Senhit selbst wirkt auf mich etwas zu perfekt und zu künstlich und aufgesetzt.

2. Estland: Uku Suviste "The lucky one"

Ich verkneife mir die bissige Bemerkung, dass dieses Lied am besten wirkt, wenn man den Ton ausschaltet. Uku sieht zugegebenermaßen sehr gut aus und weiß das auch, seine Optik kann aber nicht über die Durchschnittlichkeit seines Liedes hinwegtäuschen. Sein Gesicht bleibt in Erinnerung, sein Beitrag leider nicht. Keine Qualifikation.



Probenfazit: An meiner Einschätzung hat sich nichts geändert.

3. Tschechien: Benny Cristo "Omaga"

Natürlich sehe ich mir die Wettquoten und Abstimmungen, vorwiegend in Fanforen, vor dem Contest an, und meist stelle ich fest, dass diese tendenziell mit meinen Einschätzungen weitgehend übereinstimmen, was auch nicht allzu verwunderlich sein dürfte. Manchmal sehe ich aber auch große Diskrepanzen, und meist kann ich sie mir nicht erklären. Der tschechische Beitrag ist so ein Fall, er findet sich in den einschlägigen Ranglisten meist sehr weit unten wieder, wohingegen mir die positive Ausstrahlung sehr zusagt. Ich denke, "Omaga" ist ein perfektes Gute-Laune-Lied, und ich lasse mich von den Statistiken nicht beirren und sehe den Titel eindeutig im Finale.



Probenfazit: Benny ist ein Sympathieträger, und die Hip-Hopper sind ein Kontrast zu den Balletttänzern der anderen Auftritte. Allerdings möchte ich das 'eindeutig' aus dem letzten Satz meines ersten Absatzes streichen, im Gegenteil, ich glaube, Tschechien wird es schwer haben.

4. Griechenland: Stefania "Last dance"

Wieder einmal schlägt meine Erinnerung zu, bei 'Last dance' muss ich unweigerlich an Donna Summer denken, aber das nur am Rande. Stefania hat quasi ein Heimspiel, sie wurde als Kind griechischer Eltern in den Niederlanden geboren und lebt auch dort. Sie hat schon jung Bühnenerfahrung sammeln können und ist als Teil einer Gruppe auch schon (für die Niederlande) beim Junior-ESC angetreten. So trifft ihr jugendliches Aussehen auf das nötige Maß an Professionalität, und das bringt auch ihr Wettbewerbsbeitrag mit. Eine gute Mischung, wie ich finde, ich sehe das Lied im Finale.



Probenfazit: Die technischen Schwierigkeiten der ersten Probe scheinen überwunden zu sein, so ergibt sich ein gelungener Auftritt mit interessanten Effekten. Gut gemacht.

5. Österreich: Vincent Bueno "Amen"

Zum zweiten Mal treffen wir in diesem Jahr (und zum dritten Mal insgesamt beim ESC) auf ein Lied namens "Amen", aber Österreich verkauft es nicht so bedeutungsschwanger wie Slowenien, sondern wählt eine kraftvolle Ballade. Mir gefällt es gut, aber ich weiß nicht, ob es eingängig genug ist, um zum Abstimmen zu bewegen. Ich fürchte, es wird sich nicht qualifizieren, auch wenn ich es Vincent wünschen würde.



Probenfazit: Österreich steigt in meiner Einschätzung. Vincents Pathos wirkt glaubwürdiger als das seiner slowenischen Kollegin, und durch die funkelnden Elemente seines Jacketts wird der dunkle Grundton in Bühnenbild und Kleidung gut aufgelockert; farbliche Einsprengel würden da eher störend wirken. Mittlerweile halte ich eine Qualifikation zumindest für möglicher.

6. Polen: Rafał "The ride"

Offenbar ist Rafał in Polen recht populär, warum auch immer - der Gesang gehört schon mal nicht zu seinen Kernkompetenzen. Ich höre ein mäßig originelles und ebenso mäßig produziertes 80er-Jahre-Gedächtnis-Lied und sehe einen Sänger, der ebenfalls an diese Zeit erinnern möchte, dabei aber verkleidet aussieht (habe nur ich Assoziationen zu Max Headroom?). Bedauerlicherweise hinterlässt dieser Beitrag bei mir einen durch und durch negativen Eindruck, und ich gehe davon aus, dass ich ihn im Finale nicht noch einmal ertragen muss.



Probenfazit: Nein. Einfach nein. Ein mittelaltes unsympathisch wirkendes Moppelchen, das verzweifelt auf jugendlich macht, wirkt einfach nur lächerlich. Max Headroom im Altersheim. Weg damit.

7. Moldau: Natalia Gordienko "Sugar"

Moldau bietet ein Wiedersehen mit zwei 'alten Hasen': Natalia vertrat das Land,damals blutjung, bereits 2006, und der Komponist Filip Kirkorov schrieb schon diverse Beiträge für diverse Länder und sang einen davon sogar selbst. Das Ergebnis ist ein Dancefloor-Titel mit mitreißendem Rhythmus und einer selbstbewusst wirkenden Sängerin. Nach den beiden eher faden Liedern davor wacht das Publikum (und die Jury) wieder auf und wird sicher den einen oder anderen Punkt vergeben - ich bin mir ziemlich sicher, dass wir auch im Finale zu "Sugar" tanzen können.



Probenfazit: Mein Enthusiasmus ist ein wenig verflogen, aber dennoch glaube ich an eine Qualifikation. Mir gefällt der treibende Rhythmus, aber gerade gemessen daran finde ich die Darbietung fast ein bisschen zu bieder.

8. Island: Daði og Gagnamagnið "10 Years"

Ich habe gesagt, dass ich bei den vielen Künstlern, die bereits im Vorjahr auftreten sollten, den Vergleich zwischen den beiden Beiträgen vermeiden möchte; beim isländischen Lied gelingt es mir nicht, so sehr ich mich auch bemühe. 2020 präsentierten Daði og Gagnamagnið ein sensationelles Lied, das in mehreren Ländern, darunter Großbritannien, die Verkaufslisten erreichte und von mehreren Prominenten explizit erwähnt wurde; Island galt neben Litauen als heißer Anwärter auf den Gesamtsieg. In diesem Jahr ist der Beitrag nach einem ähnlichen Konzept geschrieben worden (völlig legitim, never change a winning team) und objektiv kein bisschen schlechter als das 'Vorbild' - und doch fehlt mir etwas. Ich hoffe, dass es die im letzten Jahr neuen und originellen Elemente sind, die auf mich jetzt quasi ausgelutscht wirken, und dass sie dem Großteil der Zuschauer und -hörer noch unbekannt sind. Ich wünsche Daði (der übrigens in Berlin lebt) und seinen Leuten von Herzen alles Gute und bin mir sicher, dass wir die Gruppe im Finale wiedersehen.



Probenfazit: Danke, Daði & Co. - der Zauber ist wieder da. Mir gefällt die scheinbar unprofessionelle Choreographie, die fast beiläufig wirkt und hinter der doch harte Arbeit steckt - und genau davon merkt man bei der gesamten Darbietung nichts. Island entwickelt sich wieder zu einem heißen Favoriten. Übrigens habe ich einen Bericht gelesen, nach dem uns am Ende des Auftritts noch eine Überraschung erwartet, aber ich möchte nichts verraten, auch, weil ich den Wahrheitsgehalt des Gerüchtes nicht kenne.

9. Serbien: Hurricane "Loco loco"

Party-Musik in Landessprache vom Balkan, gut inszeniert und produziert, ich denke, die gemeinsame Power von drei Künstlerinnen, von denen jede für sich schon reichlich Bühnenerfahrung hat, kommt gut zur Geltung. Im Gegensatz zum zyprischen Beitrag stören mich hier die spanischen Einsprengsel nicht, weil sie sich in das Gesamtwerk einfügen. Ich würde mich sehr wundern, wenn Serbien das Finale verpasst.



Probenfazit: Genau das ist der Unterschied, liebes Team aus Zypern: Auch hier haben wir einen tanzbaren Beitrag mit spanischen Wortfetzen, aber er wird nicht billig, sondern fast klassisch und elegant und zumindest sehr professionell dargebracht. Die Landessprache gibt noch einen besonderen Charme. Super, liebe Serbinnen!

10. Georgien: Tornike Kipiani "You"

Warum, lieber Tornike? Ich bin fassungslos, dass ein so talentierter Musiker ein so belangloses und langweiliges Lied vorträgt (und auch noch selbst verfasst hat). Nein, das wird nichts, und mir fällt auch wirklich nichts Positives zu diesem Beitrag ein.



Probenfazit: Mein Eindruck ist verstärkt worden, hier haben wir einen Kandidaten für den letzten Platz. Schade, ich mag Tornikes Stimme.

11. Albanien: Anxhela Peristeri "Karma"

Eigentlich erwarte ich in jedem Jahr ein Stück typische Balkan-Musik aus einem der Nachfolgerländer Jugoslawiens; in diesem Jahr hat sich Albanien um dieses kulturelle Erbe gekümmert und mit einem tanzbaren Rhythmus kombiniert. Tausend Dank an das dortige Team dafür, dass das Lied in Landessprache gelassen wurde und ein dickes Lob an Anxhela, die es gut interpretiert. Das Finale dürfte kein Problem sein.



Probenfazit: Kein Problem - das relativiere ich ein wenig. In diesem Jahr sind einfach zu viele tanzbare Lieder mit weiblichen Protagonisten am Start. Allerdings hat Albanien durch den ethnischen Einfluss ein gewisses Alleinstellungsmerkmal, und Anxhela macht ihre Sache sehr gut.

12. Portugal: Black Mamba "Love is on my side"

Portugal tritt erstmals in seiner fast 60jährigen ESC-Geschichte komplett auf Englisch an, und ich möchte eine Frage wiederholen, die ich schon beim georgischen Beitrag gestellt habe: Warum? Dieses Lied ist an Mittelmäßigkeit nicht zu überbieten, und es bietet keinerlei musikalischen Höhepunkt - wie vermeide ich das Wort Pinkelpause jetzt möglichst geschickt? Fast hätte ich das Lied als akustischen Sondermüll bezeichnet, so sage ich nur: Kein Finale.



Probenfazit: Dieser Beitrag hat erstaunlich viele Freunde, und ich versuche, ihm etwas Positives abzugewinnen, indem ich ihn mir als Hintergrundmusik in einer Bar vorstelle. Da stört er nicht, bleibt aber auch nicht in Erinnerung. Auch hier gilt, dass eine rührende Geschichte zum Inhalt nicht viel hilft, da diese den Zuschauern nicht unbedingt bekannt ist oder einfach nicht interessiert. Ich bleibe skeptisch, zumal ich die Stimme als unangenehm empfinde und die Titelzeile etwas zu oft höre.

13. Bulgarien: Victoria "Growing up is getting old"

Muss ich mir von einem altklugen Gör wirklich Plattitüden wie 'Aufwachsen ist alt werden' sagen bzw. vorsingen lassen? Was kommt danach - 'Wasser ist nass'? Soll dieser Allgemeinplatz von dem erschreckend dünnen Stimmchen ablenken? Ich weiß, dass dieses Lied in einigen Umfragen erstaunlich hoch platziert ist, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es im Finale landet.



Probenfazit: Ein Blick auf die Wettquoten überrascht mich sehr, Bulgarien gehört zum erweiterten Favoritenkreis. Ich bleibe dabei, dass das Publikum in diesem Jahr kein depressives Gewimmer hören will und nicht dafür anruft. Vielleicht sehen es die Jurys anders, allerdings dürften hier die mangelnden stimmlichen Qualitäten zu Buche schlagen. Vielleicht belehrt mich das Ergebnis eines Besseren, aber ich halte eine Qualifikation immer noch für unwahrscheinlich.

14. Finnland: Blind Channel "Dark side"

Exakt so stelle ich mir finnische Rockmusik vor - ich denke, 'solide' ist das passende Wort. Meinen persönlichen Geschmack treffen Blind Channel nicht, aber das ist ja auch nicht wichtig, ich erkenne die runde Produktion an und weiß, dass dieser Musikstil nicht wenige Freunde hat - genug, um das Finale zu erreichen.



Probenfazit: Ja, das Finale sollte machbar sein, dort wird es aber eng, weil Finnland da auf Italien trifft, beide Lieder haben m.E. eine ähnliche Zielgruppe.

15. Lettland: Samanta Tina "The moon is rising"

Auch hier muss ich meinen eigenen Geschmack zurückstellen, aber in die andere Richtung. Ich schätze die Lieder, die von Aminata (die 2015 auch als Interpretin dabei war) geschrieben wurden, sehr, und halte den lettischen Beitrag in diesem Jahr für einen der anspruchsvollsten und innovativsten; leider geht das aber stark zu Lasten der Eingängigkeit, sodass ich fürchte, dass sich nicht viele Zuschauer für das Lied erwärmen können (zumal die meisten es zum ersten Mal hören), und dass es das Finale nicht erreicht. Schade.



Probenfazit: Samanta Tina zeigt eine gute Leistung, und Aminata hat wie immer ganze Arbeit geleistet, aber der Beitrag ist einfach zu sperrig und bleibt nicht im Ohr.

16. Schweiz: Gjon's Tears "Tout l'univers"

Die Schweiz ist aus ihrem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf erwacht und bringt zwei Jahre nach Luca Hänni und seinem Partykracher eine so wunderschöne Ballade, dass sie niemanden kalt lassen dürfte, präsentiert von einem Ausnahmesänger, der auch die Falsettpassagen traumhaft sicher beherrscht. Für kontinentale Gänsehaut ist gesorgt, und das Lied steht in vielen Umfragen ganz oben - völlig zurecht, wie ich finde. Natürlich hören wir Gjon im Finale.



Probenfazit: Gjons Auftritt überrascht mich, ich hätte nicht gedacht, dass er sich so viel bewegt. Insgesamt sehr stimmig, Gjon überzeugt mit seiner Stimme, ein sicherer Kandidat für den Gesamtsieg.

17. Dänemark: Fyr og Flamme "Øve os på hinanden"

Das ist mein 'guilty pleasure' in diesem Jahr, ich kann es stundenlang in Dauerschleife hören und fühle mich 35 Jahre jünger, aber zunächst einmal tausend Dank an die Verantwortlichen, die die Startreihenfolge festgelegt haben und dafür sorgen, dass die Zuschauer und die Juroren nach der berechtigten Ergriffenheit wieder die nötige Portion Gute-Laune-Musik bekommen. Und: Tak en million, kære naboer, vielen Dank, liebe Nachbarn, für den ersten dänischsprachigen Beitrag seit 1997 und dafür, dass ihr das 80er-Jahre-Lebensgefühl so perfekt auf die Bühne bringt - und das von zwei Männern, die noch nicht einmal geboren waren, als diese Musik (und diese Kleidung) hochaktuell waren. À propos zwei Männer - warum sehe ich vor meinem geistigen Auge immer ein 'NORA'-Kettchen?



Probenfazit: Auch wenn die Wettquoten es nicht unbedingt hergeben, verlasse ich mich wie vor zwei Jahren bei meinem 'guilty pleasure' auf mein Bauchgefühl - damals hat es auch funktioniert, und ich denke, ein so einprägsames Gute-Laune-Lied ist genau das, was die Zuschauer jetzt wollen.

Ich fand es im zweiten Halbfinale noch schwieriger als im ersten, ein Ergebnis vorherzusagen. Insgesamt tendiere ich in diesem Jahr eher zu optimistischen als zu melancholischen Liedern; das ist auch der Grund, warum ich Tschechien gegenüber Österreich bevorzuge. Meine Prognose für die Finalqualifikation, wieder in Startreihenfolge:

San Marino
Tschechien
Griechenland
Moldau
Island
Serbien
Albanien
Finnland
Schweiz
Dänemark

Die Show wird am Donnerstag, 20.5.21, um 21.00 Uhr wieder u.a. bei ONE und auf den einschlägigen Internetkanälen übertragen.

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Donnerstag, 13. Mai 2021
Erstes Halbfinale 2021
Vorbemerkung: Ich habe die Texte zu den einzelnen Liedern bereits vor Beginn der Proben geschrieben, weil nicht klar war, wie weit die EBU entsprechendes Material liefert. Da es zu allen Beiträgen kurze Bildeindrücke zu den Proben gibt, füge ich diese an die Texte an und ziehe im Anschluss daran noch ein kleines Fazit. Wie es aussieht, sind alle Delegationen mit Ausnahme der australischen physisch in Rotterdam anwesend, allerdings können noch immer unvorhergesehene Zwischenfälle, z.B. positive Corona-Tests, dazwischenkommen. So, genug Vorgeplänkel, jetzt geht es los mit dem ersten Semifinale.

1. Litauen: The Roop "Discoteque"

Der ESC 2021 beginnt mit einer Art Paukenschlag, denn der litauische Beitrag wird in Umfragen und Wettquoten hoch gehandelt, und auch ich zähle ihn zu den Favoriten für den Gesamtsieg. Hier stimmt alles: Der Rhythmus sorgt für Aufmerksamkeit, der Refrain bleibt im Ohr und insbesondere der charismatische Sänger Vaidotas sorgt für lang anhaltende Erinnerung. Ich bin mir 100% sicher, dass sich dieser Beitrag für das Finale qualifizieren wird.



Probenfazit: Solide und professionell dargeboten - Litauen empfiehlt sich immer mehr als Mitfavorit.

2. Slowenien: Ana Soklič "Amen"

Amen. Hallelujah. Es ist nicht das einzige Lied dieses Namens in diesem Jahr, und auf mich wirkt es gewollt pathetisch - ich nehme Ana keine tiefen religiösen Gefühle ab. So sagt die Sängerin selbst, der Text lasse eigene Meinungen zu - das ist eine nette Umschreibung für 'inhaltsleer'. Zudem wirkt der Beitrag nach dem schwungvollen Lied aus Litauen eher blass, ich denke, er wird nicht genügend Stimmen für das Finale bekommen.



Probenfazit: Ana ist eine sehr gute Sängerin, aber das Lied strahlt so viel Pathos aus, dass ich ihr das nicht abnehme. Zudem wirkt sie bei einem hör-, aber nicht sichtbaren Gospelchor verloren. Ich bleibe dabei, dass wir Slowenien im Finale nicht wiedersehen.

3. Russland: Manizha "Russian Woman"

Trotz des englischen Titels wird dieses Lied überwiegend auf Russisch gesungen - oder soll ich sagen geschrieen? Mich persönlich erreicht die Darbietung überhaupt nicht, ich verstehe, dass die Interpretin wütend ist, weiß aber nicht, warum, offenbar geht es wieder einmal um die Emanzipation der Frau - ich dachte, dazu sei mittlerweile genug gesagt und gesungen, aber was weiß ich als Mann schon. Die Refrains sind an russische Volksweisen angelehnt und kontrastieren daher mit den Strophen. Russland hat viele Freunde, daher denke ich, dass wir dieses Lied im Finale noch einmal hören.



Probenfazit: Das Lied erreicht mich noch immer nicht, die optische Umsetzung aber umso mehr. Manizha und ihre Leute haben Spaß, und den übertragen sie auch aufs Publikum. Ein sicherer Qualifikant.

4. Schweden: Tusse "Voices"

Schweden liefert genau das ab, was man in jedem Jahr aus dem Land erwartet: Ein eingängiges gut produziertes und perfekt inszeniertes Lied ohne Experimente. Ich würde mir gerade beim ESC Beiträge wünschen, die irgendwie aus der Reihe fallen und neue Klänge präsentieren, aber das ist, wie wir seit Jahrzehnten wissen, von Schweden nicht zu erwarten. Ich denke, dass sich das Lied für das Finale qualifizieren wird, es ist eingängig, aber eben auch beliebig. Und 'a million voices' hatten wir 2015 schon einmal, seinerzeit war es der russische Beitrag, und offen gestanden, gefiel er mir besser.



Probenfazit: Tusse leidet nach einer Operation unter stimmlichen Problemen, die er hoffentlich bis zum großen Auftritt in den Griff bekommt. Mich befremdet das abgeschnittene Jackett, bei der nationalen Vorentscheidung war es noch komplett. So sieht es aus, als habe es jemand aus dem Altkleidercontainer beim Stadttheater organisiert. - Unter den gegebenen Umständen sehe ich die Finalqualifikation nicht mehr als sicher, wünsche dem schwedischen Team aber ein 'lycka till', auf dass sie die Probleme noch lösen können.

5. Australien: Montaigne "Technicolour"

Montaigne wird nicht persönlich in Rotterdam auftreten, die Corona-Regeln lassen es nicht zu, stattdessen wird ein im März unter Bühnenbedingungen aufgezeichnetes (und von der EBU begutachtetes) Video gezeigt. Ich sehe und höre ein handwerklich gut gemachtes Lied, allerdings fehlt mir der besondere Wiedererkennungswert, sodass ich dazu tendiere, dass sich das Lied nicht qualifizieren wird.



Probenfazit: Die australische Delegation ist, wie bereits erwähnt, nicht in Rotterdam anwesend und kann folgerichtig dort auch nicht proben. Für die Halbfinalshow wird ein vorproduziertes Video verwendet, aus dem ein kleiner Vorschau-Ausschnitt gezeigt wird. Offenbar arbeitet man mit einigen optischen Effekten, die Farbe aus dem Liedertitel ist hauptsächlich in Montaignes Frisur zu finden. Schade, zwischen den anderen Liedern wirkt dieses wie ein Fremdkörper. Ich denke immer mehr, dass es Australien sehr schwer haben wird, sich zu qualifizieren.

6. Nordmazedonien: Vasil "Here I stand"

Nordmazedonien präsentiert ein pompöses Lied, das gut in ein Musical oder auch in einen Disney-Film passen würde und das nach einer großen, ausdrucksvollen Stimme verlangt. Leider verfügt Vasil darüber nicht, und so bleibt ein blasser Auftritt, der sehr schnell wieder in Vergessenheit gerät. Ich denke, eine Qualifikation ist ausgeschlossen.



Probenfazit: Einfach zu langweilig und zu gewollt. Das wird nichts, lieber Vasil.

7. Irland: Lesley Roy "Maps"

Kein Land hat den ESC so oft gewonnen wie Irland, aber der letzte Sieg ist schon 25 Jahre her. Seitdem dümpelt das Land im mittleren bis unteren Feld herum und erreicht relativ oft das Finale nicht. In diesem Jahr versucht es das Land mit Radio-Pop der schnelleren Sorte, und durch das Tempo bleibt (zumindest bei mir) etwas hängen. Zudem wirkt die Sängerin wie ein Mädchen von nebenan und hinterlässt dadurch einen sympathischen Eindruck. Ich könnte mir vorstellen, dass das Lied das Finale erreicht, sicher bin ich mir aber nicht.



Probenfazit: Bei aller Sympathie für Lesley wirkt dieser Auftritt zu hektisch auf mich, und höre ich da Atemprobleme? Ich tendiere inzwischen dazu, dass wir das Lied nicht im Finale wiedersehen.

8. Zypern: Elena Tsagrinou "El diablo"

2018 war Zypern sehr erfolgreich und erreichte mit Platz 2 das bisher beste Ergebnis in seiner ESC-Geschichte. 2019 versuchte man es mit einem 'Replay' (das Lied hieß auch genau so) und war deutlich weniger erfolgreich - offenbar haben die Verantwortlichen gesucht, was gefehlt hat und deshalb wahllos ein paar spanische Vokabeln eingearbeitet; da dem gesamten Text jeglicher Tiefgang fehlt, war die Bedeutung völlig unerheblich. In den kurzen Passagen, in denen Elena quasi a cappella singt, offenbart sie zudem eine völlige Abstinenz von Stimme und Talent. Ich hoffe inständig, dass dieses Lied im Halbfinale hängen bleibt, ganz ausschließen kann ich eine Qualifikation aber nicht.



Probenfazit: Ich bleibe dabei, das ist billiger Mist. Da es aber genügend Menschen gibt, die billigen Mist mögen, glaube ich inzwischen an eine Qualifikation.

9. Norwegen: TIX "Fallen Angel"

Manchmal frage ich mich, ob es einen Fundus für die Requisiten gibt, die bei ESC-Liedern zum Einsatz kommen. Falls ja, ist TIX hier fündig geworden, denn die Engelsflügel waren schon mehrmals auf der Bühne, zuletzt beim kroatischen Beitrag 2019. Interessanter werden sie dadurch nicht, insbesondere dann, wenn sie mit einem komplett durchschnittlichen Lied kombiniert werden. Stört nicht beim Bügeln, bleibt aber auch nicht in Erinnerung - ich glaube nicht an einen Finaleinzug.



Probenfazit: Wieder so ein Lied, dessen rührende Hintergrundgeschichte die Zuschauer zum Anruf animieren soll (hier geht es wohl um die Krankheitsgeschichte des Sängers). Diese ist aber vielen Menschen nicht bekannt und anderen egal. Wenn ein Lied nicht aus sich heraus wirkt, ist es beim ESC fehl am Platz. Ich bleibe beim "Nein".

10. Kroatien: Albina "Tick-Tock"

Tick-Tock. Bim-Bam. Ding-Dong. Schni-Schna-Schnappi. Immerhin weckt das kroatische Lied nach dem langweiligen norwegischen Beitrag wieder auf, es regt zum Mitschnippen und -wippen an, und die landessprachlichen Textteile wirken sehr positiv. Ich denke, dass wir Kroatien im Finale sehen.



Probenfazit: Dieser Beitrag gefällt mir immer besser. Kroatien bleibt beim bewährten Schema, gut so, das Lied und der Auftritt wirken sehr stimmig.

11. Belgien: Hooverphonic "The wrong place"

Wenn ich dieses Lied in eine Schublade stecken müsste, würde ich 'Adult Contemporary' wählen - das ist definitiv Musik, die eher ein älteres Publikum anspricht, und dazu zähle ich mich - mir gefällt es gut. Zudem sehe ich, wie schon beim irischen Beitrag, eine Sängerin, die auch meine Nachbarin sein könnte; ein eingängiges, aber anspruchsvolles Lied, in der Frühzeit des ESC war das das Ideal. Mich erreicht das Lied, ich denke, das Finale ist machbar.



Probenfazit: Hooverphonic haben beschlossen, ein düsteres Lied düster zu inszenieren. Mich erreicht dieser Auftritt, ich fürchte aber, er ist vielen Zuhörern zu düster. Mittlerweile zweifle ich an der Qualifikation. Allerdings: Man erkennt, dass Hooverphonic eine eingespielte und professionelle Gruppe sind - und, wie gesagt, stimmig ist die Darbietung.

12. Israel: Eden Alene "Set me free"

Hier bin ich wieder ein wenig hin- und hergerissen. Mir gefallen der Rhythmus, der eingängige Refrain und die positive Ausstrahlung der Sängerin - allerdings wirkt das Lied wieder einmal wie Radiopop von der Stange, ich weiß nicht, ob es lange in Erinnerung bleibt. Hier könnte die relativ späte Startnummer hilfreich sein.



Probenfazit: Eden muss sich gegen einige Konkurrenzbeiträge behaupten, bei denen ebenfalls tanzbare Lieder von weiblichen Stimmen und diversen Tänzer/-innen präsentiert werden. Ich hoffe, Eden hat durch ihre sympathische Ausstrahlung einen Bonus, und sie erreicht das Finale. Das Lied allein gibt es nicht her.

13. Rumänien: Roxen "Amnesia"

Warum beschäftigen sich junge Sänger/-innen mit so düsteren Themen, als ob morgen die Welt unterginge? Wahrscheinlich wirkt das Lied auf einige (viele?) Zuhörer anspruchsvoll und getragen, auf mich allerdings eher düster und bedeutungsschwanger-depressiv. Auf mich hinterlässt der Beitrag keinen (positiven) Eindruck, ich bin gespannt, wie das die Zuschauer und die Juroren sehen.



Probenfazit: Ich klinke mich aus, ich gehöre definitiv nicht zur Zielgruppe dieses Liedes. Diese besteht vermutlich aus Leuten, die auch Billie Eilish mögen (was bei mir ebenfalls nicht der Fall ist). Die Frage ist allerdings, ob diese den ESC ansehen. Ich bezweifle die Qualifikation nach wie vor.

14. Aserbaidschan: Efendi "Mata Hari"

Auch hier schlägt meine ältere Generation wieder zu, wenn ich die Textstelle 'Ma-Ma-Ma-Ma' höre, vervollständige ich automatisch mit 'Ma Baker, she taught her four sons', und gerade, als dieses Lied aktuell war, gab es schon einen ESC-Beitrag namens 'Mata Hari'. Norwegen belegte damals, 1976 war das, den letzten Platz, das wird Efendi wohl nicht passieren. Dem Vortrag kommt sicher zugute, dass in diesem Jahr (ausnahmsweise, wie es heißt) auch Background-Stimmen vom Band eingespielt werden dürfen, was bei den offenbar elektronisch verfremdeten Passagen hilfreich sein dürfte. Insgesamt ein runder Beitrag, ich denke, die Qualifikation dürfte sicher sein.



Probenfazit: Noch einmal zeigt sich mein biblisches Alter, denn als ich die Bühnenkleidung sah, musste ich sofort an Chers legendären Wetten-dass-Auftritt 1987 denken, aber das nur nebenbei. Das Team hat während der Proben offenbar ein wenig herumexperimentiert, ich hoffe, alle Beteiligten sind mit dem Ergebnis zufrieden - ich bin es.

15. Ukraine: Go_A "Shum"

Hier musste ich eine Art inneren Radierer benutzen. Die Ukraine war in diesem Jahr eines der ersten Länder, die ihren Beitrag vorstellten, und er gefiel mir ausgesprochen gut. Allerdings entsprach er nicht den EBU-Richtlinien, insbesondere war er zu lang, und die überarbeitete und regelkonforme Version war stark verändert. Als ich mich aber geistig vom ursprünglichen Lied getrennt hatte, entdeckte ich auch hier entsprechende Qualitäten. Der vor allem in Osteuropa populäre 'weiße Gesang' ist sicher nicht jedermanns Geschmack, aber wie ich schon mehrmals erwähnte, haben polarisierende Lieder eine bessere Chance als solche, die niemandem wehtun, aber auch langweilig wirken. Ich sehe den Beitrag als interessanten Farbtupfer und möchte ihn gern im Finale wiedersehen.



Probenfazit: Da hat uns das Corona-Virus wieder eingeholt: Kateryna, die Sängerin der Gruppe, fühlte sich unwohl und durfte daher den Bühnenraum nicht betreten, zunächst rein prophylaktisch. Sie wurde durch ein Double ersetzt. Die Probe ist daher nur bedingt aussagefähig; wenn alles gutgeht, dürfte der Qualifikation aber nichts im Wege stehen, auf den dürftigen Bildern, die ich bisher gesehen habe, gefällt mir gerade Katryna als ruhender Pol bei diesem treibenden (und immer schneller werdenden) Rhythmus sehr gut. Grundsätzlich gilt, dass im Fall von krankheitsbedingten Ausfällen im Halbfinale oder Finale die voraufgezeichneten Videos gezeigt werden.

16. Malta: Destiny "Je me casse"

Alles richtig gemacht, liebe Malteser! Eine talentierte junge Sängerin mit einer großartigen Stimme präsentiert ein eingängiges und mitreißendes Lied, das als Sahnetupfer beim ansonsten englischen Text einen französischen Titel hat, der im günstigsten Fall sogar zum Überlegen anregt 'Ich zerbreche'? 'Ich gehe kaputt'? Service: Es heißt 'Ich breche auf' vulgo 'Ich haue ab'. Mir gefällt die rhythmische Anleihe an Ragtime und Charleston sehr gut, denn genau das ist 20er-Jahre-Musik, allerdings aus dem 20. Jahrhundert. Ein Favorit der Buchmacher, und ein sicherer Finalist.



Probenfazit: Ich bin erleichtert - auf den Bildern der ersten Probe sahen Destiny und ihre Gruppe nicht professionell, sondern wie Professionelle aus. Offenbar ist die Kritik, die von vielen Seiten geäußert wurde, bei den Verantwortlichen angekommen, mittlerweile sieht der Auftritt rund aus, und Destinys Talente kommen voll zur Geltung, es gibt keine äußeren Störfaktoren mehr. Das erste Halbfinale endet so, wie es angefangen hat, Favoriten bestätigen ihre Position.

Puh, schwer. Ich sehe folgende 10 Beiträge im Finale (in Startreihenfolge):

Litauen
Russland
Schweden
Zypern
Kroatien
Belgien
Israel
Aserbaidschan
Ukraine
Malta

Das Halbfinale wird am Dienstag, 18.5.21, um 21 Uhr auf ONE übertragen, man kann es z.B. auch über Youtube (https://www.youtube.com/c/EurovisionSongContest) oder über eurovision.tv im Internet verfolgen. Am Tag danach werde ich dann kommentieren, wie richtig ich lag und was mir besonders aufgefallen ist.

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Sonntag, 25. April 2021
Prognosen
Der ESC 2021 rückt immer näher, und mittlerweile wurde auch ein Probenplan veröffentlicht. Als erstes Land darf Litauen seinen Auftritt am 8.5. um 10 Uhr optimieren, Spanien beendet am 15.5. den Reigen. Für jedes Land sind zwei Proben vorgesehen, die erste dauert 30 Minuten, die zweite 20. Zudem gibt es jeweils ein "Meet & Greet", für das 20 Minuten angesetzt ist, und eine Pressekonferenz, die ebenfalls 20 Minuten dauern soll. So weit die Theorie - in Zeiten der Corona-Pandemie müssen alle Eventualitäten berücksichtigt werden. So kann es sein, dass einzelne Delegationen aufgrund der Reise- und Quarantänebestimmungen nicht anreisen können und stattdessen auf das Video zurückgreifen, das im März von allen Beiträgen unter Wettbewerbsbedingungen produziert wurde. Als erstes Land hat Australien bereits angekündigt, hiervon Gebrauch zu machen - die Sängerin Montaigne und ihr Team werden also nicht in Rotterdam vor Ort sein. Im offiziellen Kalender wurden dem Land die üblichen Termine eingeräumt, ob stattdessen eine Pause stattfindet oder ob die folgenden Delegationen entsprechend früher an der Reihe sind, wird sich kurzfristig entscheiden. Noch ist auch nicht klar, ob und wie viele Zuschauer vor Ort sind (offenbar sind in jedem Fall nur Einheimische zugelassen), wodurch auch der Zweck des "Meet & Greet", das überwiegend für die Fans veranstaltet wird, fraglich ist.

Eine weitere Änderung gibt es, wieder corona-bedingt, zu den Vorjahren: Erstmals können auch menschliche Background-Stimmen im Begleitungs-Halbplayback eingespielt werden; hiermit soll bewirkt werden, dass die einzelnen Delegationen so klein wie möglich sind - so gibt es auch Beschränkungen hinsichtlich der Presse. Konkrete Auswirkungen kann das beispielsweise auf den Beitrag aus San Marino haben, aber dazu zu gegebener Zeit später.

Über die Hälfte der Länder greift auf die Interpretinnen und Interpreten zurück, die bereits für 2020 vorgesehen waren, da liegt ein Vergleich mit den Vorjahresbeiträgen nahe - und genau den werde ich bei meinen Prognosen versuchen zu vermeiden; ob es mir immer gelingt, wird sich zeigen.

Nach aktuellem Stand haben alle Teilnehmer der ersten Halbfinale ihre zweite Probe am 13.5. um 10.20 Uhr absolviert, beim zweiten Halbfinale ist das am 14.5. um 14.15 Uhr der Fall, und die gesetzten Finalisten beenden die Proben, wie schon gesagt, am 15.5. um 12.55 Uhr - all diese Termine sind, wie gesagt, mit Vorsicht zu genießen.

Ich hoffe, dass die EBU wieder kurze Impressionen von den Proben veröffentlicht, die ich dann als Grundlage für meine Prognosen verwende und hier so zeitnah wie möglich veröffentliche.

Viele Eventualitäten, nichts Genaues weiß man nicht - nur eins ist sicher: Der ESC wird auf jeden Fall am 18.5., 20.5. und 22.5.21 stattfinden - wie auch immer.

Für alle Interessierten habe ich eine Übersicht über die Probentermine gefunden: https://escxtra.com/2021/04/23/eurovision-2021-rehearsal-schedule/

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Dienstag, 30. März 2021
Startreihenfolge der Halbfinalrunden 2021
Heute hat die EBU die Startreihenfolge für die beiden Halbfinalrunden bekanntgegeben:





Seit einigen Jahren wird diese Startreihenfolge nicht mehr per Los ermittelt, sondern vom Veranstalter in Zusammenarbeit mit der EBU nach dramaturgischen Gesichtspunkten festgesetzt. Die Lose entscheiden nur noch darüber, in welchem der beiden Halbfinalrunden ein Lied aufgeführt wird, und ob dies in der ersten oder in der zweiten Hälfte des Starterfelds geschieht. Aus beiden Runden qualifizieren sich die jeweils zehn Erstplatzierten für das Finale.

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Dienstag, 16. März 2021
Schwund
Da waren's nur noch 39...

Armenien zog sich vom Wettbewerb zurück und begründete dies mit logistischen und organisatorischen Gründen, die wohl auch mit dem Bergkarabach-Konflikt mit seinem Nachbarn Aserbaidschan (der nach wie vor teilnimmt) zusammenhängen. Vor wenigen Tagen stellte Belarus seinen intern gewählten Beitrag vor, der aber von der EBU zurückgewiesen wurde, weil er politisch missverstanden werden konnte. Der Aufforderung, einen Ersatztitel einzureichen, kam das Land innerhalb der Anmeldefristen nicht nach, sodass von einer Disqualifikation auszugehen ist.

In Kürze wird die Startreihenfolge in den Halbfinalrunden bestimmt. Bald darauf soll auch entschieden werden, in welcher Form der Wettbewerb ausgetragen wird - die elementare Frage wird sein, ob die Interpreten physisch in Rotterdam anwesend sein werden oder ob sie ihre Beiträge als Videoaufzeichnungen einspielen. Diese werden übrigens für den Fall der Fälle gerade angefertigt.

Meine einzelnen Einschätzungen werde ich wie bereits 2019 zeitnah abgeben - hier ist zur Einstimmung schon einmal eine kleine Übersicht über die 39 eingereichten Beiträge:



Nachtrag: Belarus hat zwar einen Ersatzbeitrag eingereicht, aber auch dieser wurde von der EBU abgelehnt, weil er politisch deutbare Inhalte enthielt. Das Land wurde daher in diesem Jahr vom ESC disqualifiziert und nimmt somit erstmals seit seinem Debut 2004 nicht am Wettbewerb teil.

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Mittwoch, 3. Februar 2021
Mögliche Szenarien
Die EBU, der veranstaltende Fernsehsender NOS und die sonstigen Organisatoren des ESC 2021 haben heute noch einmal bekräftigt, dass der Wettbewerb in jedem Fall stattfinden wird. Wie allerdings die genauen Bedingungen sind, steht noch nicht fest - in mehr als einem Vierteljahr können sich die äußeren Rahmenbedingungen, insbesondere eventuelle Beschränkungen durch das Corona-Virus, noch ändern. Fest steht allerdings, dass die Veranstaltung nicht wie sonst üblich, also in einer voll besetzten Halle, ausgetragen wird. Drei Variationen sind denkbar, die Anzahl der Zuschauer vor Ort schwankt hierbei zwischen 0% und 80%, ebenso ist es fraglich, ob die Künstler vor Ort anwesend sind oder ihre Beiträge eingespielt werden - für alle Fälle müssen bis zum 26.3. Live-Videos eingereicht werden, die dann gegebenfalls verwendet werden. Auch die Frage, wie stark die Pressedelegationen sein können und ob es Rahmenveranstaltungen gibt, wird erst später entschieden.

Sicher ist eben nur, dass der Wettbewerb nicht, wie im Vorjahr, ausfällt, und dass mit allen denkbaren Szenarien gearbeitet wird.

Mittlerweile hat der Februar begonnen, traditionellerweise der Monat, in dem die meisten Vorentscheidungen ausgetragen werden. Da aber viele Länder entschieden haben, die Künstler zu nominieren, die auch 2020 angetreten wären, und die Beiträge deshalb intern nominieren oder in kleinem Kreis auswählen, ist die Anzahl der entspechenden Veranstaltungen in diesem Jahr deutlich geringer als sonst.

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Sonntag, 20. Dezember 2020
Türkvizyon 2020
Respekt, liebe Türken - mehr als fünf Stunden für einen Wettbewerb mit 26 Teilnehmern, das haben nicht einmal die Israelis beim ESC geschafft... doch der Reihe nach.

Der Türkvizyon Song Contest wurde nach fünfjähriger Pause am 20.12.20 zum vierten Mal ausgetragen, aufgrund der Corona-Pandemie online, also ohne Publikum.

Vermutlich aus Wettbewerbsgründen traten alle Teilnehmer auf der gleichen Bühne auf, 24 Länder und Regionen entsandten Solisten, zwei Duos. Die Akteure wurden offenbar angewiesen, sich nicht vom Platz zu bewegen, sodass keinerlei Choreographie möglich war. Einige Interpreten waren professionell genug, um zumindest durch ein paar Bewegungen optische Anreize zu schaffen, andere wirkten während ihres gesamten Vortrags statisch. Besonders fiel mir das beim irakischen Sänger auf, in dessen Lied ein längeres Instrumentalteil vorkam, bei dem er offenbar nicht wusste, wie er es überbrücken sollte. Ganz anders die Teilnehmerin aus Sacha-Jakutien, die aufgedreht wie ein Duracell-Häschen agierte.

Während viele männliche Akteure wirkten, als seien sie Stubsauger-Vertreter, die nach getaner Arbeit im Dorfkrug einkehrten, überlegten sich einige ihrer Kolleginnen, wie sie optisch in Erinnerung bleiben können. Die Aserbaidschanerin wirkte sowohl wie eine Braut als auch wie ein Burgfräulein, die Kirgisin erweckte den Eindruck, als könne sie gut Reifen wechseln, und die Belarussin trug ein Geschmeide wie aus 1001 Nacht, was ein interessanter Kontrast zu ihren langen blonden Haaren war. Interessant fand ich auch den Künstlernamen der Vertreterin Moskaus - Olga Napoli, was kommt als nächstes, Sergej Milano?

Deutschland wurde von Seyran vertreten, der in Köln lebt und in vielen Sprachen singt. Einem größeren deutschen Publikum wurde er 2019 als Teilnehmer von "The Voice of Germany" bekannt, international war er schon vorher in Erscheinung getreten, z.B. 2011 als Sieger des "Golden Melody Song Festival". Er belegte mit dem selbstgeschriebenen Lied "Odun" Platz 8, das bisher beste Ergebnis Deutschlands. Mein Türkisch-Wörterbuch übersetzt "Odun" mit Holz, ein sprachkundiger Freund wies mich aber darauf hin, dass das Wort auf Aserbaidschanisch, der Muttersprache Seyrans, "Dein Feuer" bedeutet, was wohl die wahrscheinlichere Möglichkeit ist - danke Ali!



Wie in diesem Video ersichtlich, bestand das Bühnenbild aus so etwas wie konzentrisch blinkenden Lichtern, je nach Beitrag variierte die Farbe zwischen türkis und blau, was die einzige Abwechslung war - angesichts der statischen Vorträge wirkte die Sendung leicht ermüdend. Hinzu kommt, dass die Reaktion des Publikums fehlte, und dass aufgund der Vorschriften optische Elemente wie Tanzdarbietungen oder auch exotische Instrumente fehlten. Schade, diese Darbietungen habe ich in der Vergangenheit sehr genossen.

Auch die drei Moderatoren (zwei von ihnen weiblich, einer männlich) standen wie festgenagelt auf der Bühne - übrigens in Istanbul, aber das war angesichts der Tatsache, dass alle Teilnehmer in ihren Herkunftsländer waren und keine Zuschauer vor Ort sein konnten, eher nebenrangig.

Als nach den Darbietungen, die mehrfach von Werbeeinspielungen unterbrochen wurden (wurden da wirklich Feuerlöscher angeboten?) , ein Schnelldurchlauf folgte, war ich recht dankbar, denn ich hatte alle Lieder zum ersten Mal gehört. Allerdings wurde dieser kommentarlos wiederholt. Und noch einmal. Und noch einmal. Ich glaube, es waren 10 Durchläufe, irgendwann habe ich aufgehört zu zählen, und ich frage mich, wofür - schließlich war keine Publikumsabstimmung, beispielsweise per Telefon, möglich, und eine langwierige Koordination der Jurys war auch nicht nötig, da diese jeweils nur aus einer Person bestand. Als dann das Ergebnis ermittelt wurde, ging alles sehr schnell - zu schnell für meinen Geschmack, zu jedem Lied wurden sehr kurz die einzelnen Bewertungen eingeblendet, Zwischenergebnisse oder auch nur Gesamtsummen der Lieder gab es nicht, und am Ende wurde das Gesamtergebnis gezeigt. Sieger wurde das Lied "Tikenli yol", das auf Gagausisch von Natalia Papazoğlu für die Ukraine gesungen und auch selbst geschrieben wurde.



Ich weiß nicht, ob sich die Verantwortlichen des ESC 2021 den Türkvizyon Song Contest angesehen haben, um eventuell Anregungen zu bekommen, falls auch dieser Wettbewerb ohne Publikum stattfinden muss. In diesem Fall haben sie zumindest gesehen, was man falsch machen kann: Das immergleiche Bühnenbild wirkte mit der Zeit ermüdend, gleiches gilt für die Interpreten, die sich offenbar nicht vom Platz bewegen durften. Die Vielzahl der Schnelldurchläufe war, freundlich gesagt, überflüssig, zumal sie mangels Publikumsabstimmung wie erwähnt auch völlig sinnlos war. Ein bisschen mehr Transparenz bei der Punktevergabe wäre auch nett - aber diesbezüglich hat der ESC ja Erfahrung. Und insgesamt ist das Publikum ein so wesentlicher Faktor, dass man, wann immer es geht, nicht darauf verzichten sollte.

Ich habe alle bisherigen Ausgaben des Türkvizyon Song Contests gesehen, der diesjährige gefiel mir mit Abstand am wenigsten. Ich möchte Tänze und Instrumente sehen, von deren Existenz ich bis dahin nichts wusste, und ich möchte von Kehlkopfgesang und anderen musikalischen regionalen Spezialitäten überrascht werden - all das war in diesem Jahr nicht möglich. Vielleicht gibt es 2021 wieder eine reguläre Ausgabe - inshallah.

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Freitag, 4. Dezember 2020
ESC 2021 nimmt Formen an
Die Organisatoren in Rotterdam arbeiten in dieser Saison unter erschwerten Bedingungen, weil unsicher ist, in welcher Form der Wettbewerb stattfinden kann - eine reguläre Durchführung, also mit tausenden von Zuschauern, erscheint immer mehr unwahrscheinlich, auch ist nicht sicher, ob die Künstler persönlich vor Ort anwesend sein können oder ob ihre Auftritte, live oder als Aufzeichnung, übertragen werden müssen; auch eventuelle Reise- und Quarantänebestimmungen spielen hier eine Rolle. Nach 2020 hat das Covid-19-Virus also auch den ESC 2021 unter Kontrolle.

Das niederländische Fernsehen muss also diverse Eventualitäten in Betracht ziehen und möglicherweise auch kurzfristig umdisponieren; allerdings scheint festzustehen, dass der Wettbewerb 2021, anders als sein Vorgänger, tatsächlich stattfindet - wie auch immer. Aus diesem Grunde wurde jetzt das offizielle Logo veröffentlicht; wie im Vorjahr lautet der Slogan "Open up", und die zugehörige Grafik soll symbolisieren, dass die Teilnehmer aus allen Richtungen zusammenkommen, zusammen sind sie ein "Wir". Als Zentrum dieser Darstellung wurde der Austragungsort Rotterdam gewählt.



Noch in diesem Monat, im Dezember, findet traditionell das Festivali i Këngës statt, das als albanische ESC-Vorentscheidung fungiert. Der Siegertitel wird allerdings noch bearbeitet und oft ins Englische übersetzt, um den Eurovisions-Regeln und -Ansprüchen zu entsprechen. Danach werden auch die weiteren der nach momentanem Stand 41 Teilnehmerländer ihre Beiträge ermitteln, bis Mitte März 2021 werden alle feststehen. Was genau dann folgt, kann noch niemand wissen.

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Montag, 26. Oktober 2020
Wieder 41
Wie die EBU meldet, haben sich für den ESC 2021 exakt die Länder angemeldet, die auch 2020 teilnehmen wollten. Ob und wie der Wettbewerb stattfindet, kann in Corona-Zeiten niemand voraussagen, aber eine erste Zahl steht somit im Raum - wie ich an der gleichen Stelle vor einem Jahr schon anmerkte, kann sich auch bei der Zahl 41 noch einiges ändern, beispielsweise wenn ein Land aus politischen Gründen absagt. Übrigens haben nach heutigem Stand 19, also knapp die Hälfte, der Teilnehmer wieder die Interpreten nominiert, die auch 2020 gesungen hätten.

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